1293: Völkermord an den Herero und Nama

Erstmals hat die Bundesregierung die Ermordung von etwa 85000 Herero und zirka 10000 Nama durch Deutsche zwischen 1904 und 1908 als Völkermord anerkannt. Die Täter waren Soldaten unter Führung von General Lothar von Trotha. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte das Verbrechen schon im letzten Jahr als Völkermord anerkannt.

Der langjährige Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestags, Ruprecht Polenz (CDU), verhandelt mit Namibia über Schlussfolgerungen aus dem Verbrechen. Allerdings ohne die Beteiligung der Herero und der Nama. Das stößt auf Kritik. Dadurch würden die „historischen Emotionen und Empfindlichkeiten nicht berücksichtigt“. Der namibische Präsident Hage Geingob empfindet die Verhandlungen als Angelegenheit aller Namibier (Ilona Eveleens, taz 14.7.16).

Felix Hackenbruch hat für die taz (14.7.16) den Afrikaforscher Jürgen Zimmer befragt:

taz: Sie haben zu den Völkermorden an den Herero, Armeniern und zum Holocaust geforscht. Gibt es eine Verbindung?

Zimmer: Nicht im Sinne einer Kausalität. Der Holocaust war keine unausweichliche Folge des Völkermords an den Herero. An allen drei Verbrechen war aber das deutsche Militär beteiligt: als ausführender Akteur in Afrika, als Verbündeter des Osmanischen Reichs und als Wegbereiter im Vernichtungskrieg im Osten im Zweiten Weltkrieg. Die Logik der Beherrschung war immer gleich, nämlich Kontrolle von „Raum“ durch „Rasse“ und durch die Ersetzung einer Bevölkerung durch eine andere.

taz: Müsste der Bundestag eine Resolution zum Völkermord an den Herero und Nama verabschieden?

Zimmer: Ja, ich hoffe, dass der Bundestag die Meinung der Wissenschaft bald übernimmt. Die Völkermordforschung ist sich ja ebenso einig wie die historische Afrikaforschung, dass es ein Völkermord war.

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