1267: Hajo Seppelt ist kein Fan.

Hajo Seppelt, 53, ist der Journalist, der die größten Beiträge dazu geleistet hat, dass das Staatsdoping in Russland aufgedeckt worden ist. Weshalb der internationale Leichtathletikverband (IAAF) russische Leichtathelten bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 nicht starten lassen will. Seit Jahren ist Hajo Seppelt Chef der Journalistengruppe, die unter dem Label

„Geheimsache Doping“

über das weit verbreitete Doping in der Welt berichtet. Seppelt war schon

2008 bei uns in Göttingen zum Thema im „Literarischen Zentrum“

zu Gast. 2006 wurde er noch von dem damaligen ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf als Schwimm-Reporter abgesetzt. Boßdorf, der aus der DDR stammte und dem Stasi-Verwicklungen nachgesagt wurden, hatte wohl zu viel Verständnis für das Doping im Radsport. Etwa bei Jan Ulrich, über den er ein Buch mit veröffentlicht hatte. Er musste als ARD-Sportkoordinator zurücktreten. Hagen Boßdorf war schon

2006 bei uns im „Literarischen Zentrum“

zu Gast.

In einem Gespräch mit Bernd Dörries (SZ 23.6.16) hat Hajo Seppelt nun über die Probleme des Sportjournalismus gesprochen. Es gäbe einen „zu große Nähe“, das „Kumpelige“, „Gefühlige“, das „Fansein“. „So langsam kommt das Bild des Sports der Wirklichkeit näher.“ Für den WDR, für den Seppelt arbeitet, betonte Fernseh-Direktor Jörg Schönenborn, dass der Sender wie die ganze ARD Wert darauf legten, dass

nichts unter den Teppich gekehrt werde.

Hajo Seppelt reflektiert die Tatsache, dass die ARD einerseits zur Fifa-Korruption recherchiert und andererseits der Fifa Geld für die WM-Übertragungsrechte zahlt. „Uns ist allen klar, dass wir uns mit dem Gegenstand der Berichterstattung nie gemein machen.“ „Ich habe keine Begeisterung für die deutsche Mannschaft, das ist nicht mein Job, ich bin nicht ’stolz auf Deutschland‘, ich bin kein Fan. Ich bin lediglich interessiert.“

In seinen Beiträgen zur Sportberichterstattung kommt Hajo Seppelt selbst viel vor. Seppelt im Auto, Seppelt am Telefon, Seppelt am Computer. Das nennen die einen

Eitelkeit.

Er selbst bezeichnet es als

Transparenz.

Demnächst soll Seppelt wohl über seine eigene Produktionsfirma beauftragt werden. Im investigativen Sportjournalismus eher selten. Seppelt: „Der ist weiter notwendig. Was in der Politik mittlerweile als No-Go gilt, ist im Sport immer noch üblich, die totale Vermengung der Interessen: Der Vizepräsident des IOC ist gleichzeitig Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada. Das ist so, als würde der Chef eines Zigarettenkonzerns gleichzeitig dem Nichtraucherbund vorstehen.“

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