Die DDR-Medienpolitik war ängstlich, misstraute ihren Bürgern und trug in ihrer ganzen Borniertheit dazu bei, dass die Menschen dort schließlich nicht mehr einsahen, dass eine Partei und ein Staat, die keine Ausreise zuließen und den Konsum von Westmedien kontrollieren wollten, weiterhin bestehen sollten. Das ist das Ergebnis der sehr akribisch gearbeiteten Dissertation von
Franziska Kuschel: Schwarzhörer, Schwarzseher und heimliche Leser. Die DDR und die Westmedien. Göttingen (Wallstein) 2016, 336 S., 34,90.
Diese wissenschaftliche Arbeit ergänzt die Ergebnisse der Göttinger DDR-Medien-Forschung (1980-1993), die hier auf der Homepage unter
Publikationen
genannt werden.
85 Prozent der DDR-Bürger konnten die elektronischen Westmedien konsumieren und taten das auch. Trotzdem haben sie nicht alles richtig verstanden. Das lag an der fehlenden Erfahrung mit dem „imperialistischen Ausland“. Erich Honeckers Versuch der „Liberalisierung“ der Medienpolitik von 1973 („Bei uns kann jeder nach Belieben“ Rundfunkprogramme der BRD „ein- und ausschalten“) schlug vollständig fehl.
Die DDR-Propagandisten hielten nicht nur politische Sendungen aus dem Westen für gefährlich, sondern gerade auch Unterhaltungssendungen wie Hans-Joachim Kulenkampffs „EWG“ und „Das Wort zum Sonntag“. Eine richtige Einschätzung. Die teilweise mit ihren westlichen Pendants weithin identischen Unterhaltungssendungen der elektronischen DDR-Medien konnten den Zusammenbruch des Systems des real existierenden Sozialismus nicht aufhalten (Ralf Husemann, SZ 30.5.16).