In der „Außenansicht“ der SZ (27.2.13) mobilisiert Philipp Gassert noch einmal alle Argumente für Studiengebühren. In meinen Augen ziemlich überzeugend. Gassert lehrt transatlantische Geschichte an der Universität Augsburg.
Der Autor beklagt, dass heute Studiengebühren nur noch als negativer Anreiz, als Selektionselement gesehen werde. Dabei gehe es doch um das hohe Gut einer akademischen Ausbildung, die Einkommen und Arbeitssicherheit steigere. Und was nichts koste, sei in unserer Gesellschaft anscheinend auch wenig wert.
1. „Bei kostenlosem Studium unterstützen die Steuerzahler, bildungsfern oder bildungsnah, das Studium der künftigen Akademiker, die später wieder bessere Verdienstchancen haben. Die Gebühren treffen also gezielt diejenigen mit potentiell höherem Einkommen und stellen eine Art Reichensteuer dar.“ Die Politik habe es leider versäumt, ein Stipendiensystem für sozial Bedürftige einzurichten. „Nun ist es .. bald wieder so weit, dass die Tochter eines Zahnarztes oder Professors, oder auch derjenige, der sich ein Auto und einen Urlaub in der Karibik leisten kann, umsonst studiert – auf Kosten auch der Kassiererin im Supermarkt.“ Dafür müsse öffentliche Verschuldung in Kauf genommen werden, die bekanntlich stets über die Zinsen eine Umverteilung zu den Vermögenderen hin bedeute.
2. Die Universitäten seien unterfinanziert. Die Grundausstattung stagniere. Man könne doch, so Gassert, ein Modell der Mischfinanzierung wählen. Wie beim Kindergarten.
3. Studiengebühren verbessern nach Gassert die Qualität von Lehre und Studium: kleinere Seminargrößen, längere Bibliotheksöffnungszeiten, mehr Computerarbeitsplätze, mehr Tutorien, kostenfreies Studienmaterial, Exkursionen, Blockseminare, innovative Lehrformate, externe Lehrbeauftragte aus der Praxis.
4. Studiengebühren ermöglichen laut Gassert die Verbesserung der Lehre unabhängig von der Kultusbürokratie und stellen insofern ein gutes Stück Freiheit dar.
5. Wer Gebühren bezahle, erwarte mehr als Massenabfertigung. Er identifiziere sich mit seiner Universität. Und die Universität sähe die Studenten nicht als Last, sondern bemühe sich mehr um sie.
Keine schlechten Argumente. Wir können sie ernst nehmen. Und was macht die Politik? Die neue Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ist für Studiengebühren, hatte sie in Niedersachsen verteidigt. Horst Seehofer (CSU) hat sich in Bayern an die Spitze derjenigen gestellt, welche die Studiengebühren abschaffen. In Niedersachsen werden von der rot-grünen Regierung die Studiengebühren abgeschafft, nachdem sie hier Minister Oppermann (SPD) eingeführt hatte. In welche Richtung geht also der Politik mit Studiengebühren? In verschiedene. Es fehlt an politischer Führung. Das gilt gerade für die schwarz-gelbe Bundesregierung. Dort sitzt Angela Merkel alles aus. Auf diese Weise kommt es zu Richtungswechseln in der Politik, die nicht immer leicht zu verstehen sind:
– beim Ausstieg aus der Atomkraft,
– bei der Abschaffung der Wehrpflicht,
– bei der Befürwortung der Homo-Ehe.
Das verunsichert die Unions-Anhänger, obwohl es sich im Grund um gut begründbare Entscheidungen handelt, und es beleidigt die Wähler. Glauben die Politiker wirklich, dass wir so dumm sind? Das kann bei Wahlen gefährlich werden. Ich sehe vor mir die Landtagswahlen in Bayern und die Bundestagswahl.