Carsharing hat sich in Deutschland etabliert. 150 Firmen konkurrieren gegenwärtig miteinander. Mittlerweile sind Tochtergesellschaften von Daimler, BMW und der Deutschen Bahn dabei. Während die großen Autofirmen auf den in Ballungsräumen stark wachsenden „Free Floating“-Markt setzen, bei dem die Autos irgendwo abgestellt werden können, lassen sich stationsgebundene Anbieter wie Cambio die Bereitstellung der Autos mit einem monatlichen Mitgliedsbeitrag finanzieren. Das macht die Mitgliedschaft verbindlicher und schlägt sich auch im stadtökologischen Effekt nieder: ein Cambio-Auto „spart“ 15 private PKWs, ein Free-Floater-Auto degegen nur drei (3).
Michael Glotz-Richter ist in Bremen Referent für „nachhaltige Mobilität“. Er sagt: „Uns geht es um einen Wechsel in der Denke. Wer kein Auto in der Garage stehen hat, der denkt anders. Wer ein Auto gekauft hat, will damit immer und überall bis vor die Haustür fahren. Es scheint ja so, dass das Auto billiger wird, wenn man es mehr nutzt. Wer kein Auto besitzt, muss ein anderes Mobilitätsdenken entwickeln, das aufbaut auf Fahrrad, zu Fuß gehen. ÖPNV, und dann gibt es als Ergänzung das Leihauto oder das Taxi. Das ist der ‚Game Changer‘. Darum geht es. Da liegt auch der Unterschied zu den Free Floatern: Ein Car2go-Auto ersetzt drei private, eines von Cambio in Bremen sogar 15.“
Glotz-Richter setzt sich aber ab von den grünen Fahrrad-Indianern etwa in Göttingen, die wollen, dass wir Fahrradfahrer auf der Straße fahren, um den Autoverkehr mehr zu behindern. Glotz-Richter: „Die Fahrradstädte haben wenig Staus. Wenn man eine autofreundliche Stadt haben will, muss man den Radverkehr promoten.“ (Klaus Wolschner, taz 20./21.2.16)