340: Cohn-Bendit: EU-Austritt Großbritanniens nicht dramatisch

Daniel Cohn-Bendit sitzt seit 1994 für die Grünen im Europaparlament. Ruth Reichstein hat ihn in der „taz“ (24.1.13) über Großbritanniens Europapolitik interviewt.

taz: Was hat der britische Premierminister von der Ankündigung eines Referendums?

Cohn-Bendit: Cameron hat große innenpolitische, vor allem wirtschaftliche Probleme. Deshalb will er den nächsten Wahlkampf in Großbritannien zu einem Europa-Wahlkampf machen. Das ist ziemlich geschickt. Er sagt den Leuten: Wenn ihr mich wählt, könnt ihr bestimmen, dass unser Land aus der EU austritt. Das kommt an in Großbritannien. Man müsste ihn deshalb auffordern, das Referendum einfach schon früher zu machen – vor den nächsten Wahlen.

taz: Was ist ihr Eindruck: Will Cameron selbst raus aus der EU?

Cohn-Bendit: Wenn er morgens mit dem linken Fuß aufsteht, dann will er drin bleiben. Wenn der rechte zuerst den Boden berührt, will er austreten. Ich glaube, er weiß das selbst noch nicht so genau.

taz: Und was würde ein Austritt Großbritanniens für die restliche EU bedeuten?

Cohn-Bendit: Es würde heißen, dass die EU bereits in der Normandie aufhört. Das wäre nicht dramatisch. Ich will nicht sagen, dass wir die Briten nicht brauchen. Für die Sicherheits- und Außenpolitik sind sie wichtig. Auch die demokratische Tradition der Briten tut Europa gut. Aber wenn sie austreten, bricht die Welt nicht zusammen. Im Gegenteil: Die Vertiefung der EU würde ohne die Briten einfacher werden.

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