So sehr sein aggressiver Neoimperialismus (siehe Tschetschenien, Ukraine, Syrien etc.) klar zutage tritt, so fragen sich doch viele Menschen im Westen, was Wladimir Putin eigentlich im Kern zu seiner Politik antreibt. Diese Frage versucht der französische Philosoph und Journalist Michel Eltchaninoff in seinem Buch
In Putins Kopf. Stuttgart (Tropen) 2016, 192 S.; 14,95 Euro
zu beantworten. Auch wenn die Analyse dort nicht vollständig ist, gibt sie uns wertvolle Hinweise.
Vorab sollte uns eines klar sein, dass es nämlich die Völker der Sowjetunion waren, die am meisten unter dem von uns Deutschen angezettelten Zweiten Weltkrieg gelitten haben und die die weitaus meisten Opfer gebracht haben. Das ist eine Tatsache.
Putins Politik ist davon gekennzeichnet, dass die russische Wirtschaft schwach ist und die soziale Lage der meisten Russen schlecht im Vergleich mit Westeuropa, was stets den Nationalismus beflügelt. In jeder Krise hat Putin seine Politik verschärft. Das gehört zusammen mit seinem persönlichen Herrschaftsanspruch (wechselnde Präsidentschaft etc.).
Putin bedient sich einer Mischung aus sowjetischem Denken, großrussischem Nationalismus und Panslawismus. Er hat drei Institutionen für seinen Machtanspruch eingespannt:
1. den Geheimdienst,
2. den militärisch-industriellen Komplex und
3. die russich-orthodoxe Kirche.
Sein „Antifaschismus“ ermächtigt den russischen Neoimperialismus dazu, sich über das Völkerrecht zu stellen (siehe Annexion der Krim).
Putins Eklektizismus verwendet aber ebenfalls Gedanken der „konservativen Revolution“ (Armin Mohler 1950), die von Autoren wie Carl Schmitt (1888-1985), Ernst Niekisch (1889-1967) und Ernst Jünger (1895-1998) ausgearbeitet worden sind. Dieses Denken ist
antidemokratisch,
antiliberal und
antiegalitär.
Deswegen sind die Verbindungen vom Putinismus zum europäischen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus so gut (Richard Herzinger, Literarische Welt 20.2.16). „Die philosophischen Quellen des Putinismus, so verschieden sie auch sein mögen, beruhen alle auf zwei Grundtendenzen:
der Idee des Imperiums
und
der Apologie des Krieges.“