321: In der Klimapolitik: Vorbild China und Verzicht auf Kinder

Jorgen Randers war Co-Autor der „Grenzen des Wachstums“ (1972). Er glaubt nicht, dass wir mit den Treibhausgasemissionen noch fertig werden und hat resigniert. Alex Rühle hat ihn für die SZ interviewt (29./30.12.12).

SZ: Was ist mit den Chinesen und Indern?

Randers: Ach, hören Sie mir doch damit auf. Meine eigene Tochter braucht fünfmal so viel wie ein Chinese. Solange sich das nicht ändert, brauchen wir nicht mit dem Finger auf Asien zu zeigen. Wir haben selbst genug zu tun, beispielsweise weniger Kinder auf die Welt zu bringen.

SZ: In gewisser Weise zeigen sie selbst mit dem Finger nach Asien. Sie setzen China als Erfolgsmodell gegen unser schwerfälliges demokratisches System: eine zentralistische Regierung, die einfach bestimmt, was zu tun ist.

Randers: Ich weiß sehr wohl, was wir an der Demokratie haben, aber ich sehe schlichtweg nicht, wie wir den Klimawandel mit unserem auf der einen Seite schwerfälligen und auf der anderen Seite so kurzatmigen System in den Griff kriegen sollen.

SZ: Aber muss man deshalb ein Hohelied auf ein extrem autoritäres System ohne Meinungsfreiheit singen? Ist eine Ökodiktatur die Lösung?

Randers: Ich propagiere doch nicht die Todesstrafe oder den Totalitarismus. Ich sage nur, dass China mittlerweile sehr viel mehr tut als der Westen. Der letzte Fünf-Jahres-Plan schreibt vor, dass die Energieeffizienz bis 2020 um 40 Prozent wachsen soll.

SZ: Sollen wir Europäer ein zentralistisches Ein-Parteien-System installieren?

Randers: Nein. Aber die Europäer sollten sich für einen handlungsfähigen Staat und ein starkes EU-Parlament einsetzen.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.