Es geht nicht um die Politik der Bildungsministerin Annette Schavan, die ich für grundsätzlich falsch halte, die aber von der Hochschulrektoren-Konferenz, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Helmholtz-Gesellschaft, dem Wissenschaftsrat und anderen verteidigt wurde. Nun, die dortigen Funktionäre sind teilweise von Schavan abhängig und reden unser Bildungssystem schön, in dem es tatsächlich größer werdende Defizite gibt. Wer aber im System tätig ist, wird das nicht zugeben.
Es geht um die anscheinend weithin gefälschte Doktorarbeit von Schavan im Fach Theologie aus dem Jahr 1980 mit dem merkwürdigen und fragwürdigen Titel „Person und Gewissen“. Ich habe unter den Ziffern 191, 272 und 280 darüber gebloggt (Wissenschaft, Innenpolitik). Nun leitet die Universität Düsseldorf, die sich nicht hat erpressen lassen, ein Verfahren zum Entzug des Doktortitels ein. Ein im Oktober bekannt gewordener Prüfbericht des Judaisten Professor Dr. Stefan Rohrbacher war zu dem Ergebnis gelangt, dass eine „leitende Täuschungsabsicht“ geben sei. Den insbesondere aus der Union folgenden Drohungen trat der Rektor der Universität, Professor Dr. Michael Piper, ein Mediziner, mutig entgegen.
Am 18.12.12 rechtfertigte Piper nochmals das Vorgehen der Universität und bekräftigte, dass Schavan „ein Recht auf ein ordentliches Verfahren“ habe und dass „die Philosophische Fakultät genau dies sicher“ stelle. Inzwischen hat es eine schriftliche Stellungnahme Schavans gegeben, in der sie die Vorwürfe zurückweist. Der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät hat sich laut SZ vom 19.12.12 (Roland Preuss) im Wesentlichen hinter die Vorwürfe Professor Rohrbachers gestellt, wonach eine „leitende Täuschungsabsicht“ gegeben war. Der Fakultätsrat will am 22. Januar 2013 entscheiden, ob der Doktortitel aberkannt wird oder nicht.
Ich bin sehr gespannt, ob sich hier die Wissenschaft gegen die Politik durchsetzen kann.