In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 29.11.15 erschien ein Kommentar mit dem Titel „Die neue völkische Bewegung“ von Volker Zastrow, dem Politikchef des Blattes. Mit ihm bin ich vielfach nicht einer Meinung. Und über ihn darf man sagen, dass er gewiss kein Linker ist. Außerdem nimmt er meistens kein Blatt vor den Mund. Was den Vorteil hat, dass bei Meinungsverschiedenheiten Klarheit über die Positionen herrscht.
Auch in seinem Kommentar „Die neue völkische Bewegung“ ließ Zastrow kaum etwas im Unklaren. Für ihn hat sich um AfD und Pegida eine „völkische Bewegung“ gebildet, eine „Bürgerkriegspartei“, die von „Hunger nach Gewalt“ gekennzeichnet ist, „gewaltgeladen“, die „Gier nach Gewalt“ ausstrahlt. Die Bewegung wolle Deutschland vor seinen „demokratischen Politikern“ retten. Und vor Journalisten, die nicht im Sinne der Bewegung berichteten, darunter auch Frauen. Diese würden gezielt mit Gewalt bedroht. Natürlich seien die „Völkischen“ bei der Gewalt weniger zurückhaltend, wenn weder Kameras noch Polizisten in der Nähe seien. Zastrow schreibt, dass die Medien „mundtot“ gemacht werden sollten, statt der „Lügenpresse“ wolle die Bewegung „völkische Beobachter“.
Der Kommentator scheut sich auch nicht, den Schriftsteller Botho Strauß scharf anzugreifen. Er beweine sich als „letzter Deutscher“, dessen Volk „mit fremden Völkern aufgemischt“ werde. Dann kommt ein zentraler Punkt: Zastrow behauptet nämlich, dass die völkische Bewegung historisch stets durch die „schwarze Milch des Antisemitismus“ zusammengehalten worden sei.
Stimmt das etwa nicht ?
Zastrow sieht in der Zuwanderung von hunderttausenden von Muslimen eine „historische Herausforderung, die nur unter Aufbietung aller konstruktiven Kräfte und natürlich nicht ohne Kontroversen gemeistert werden kann“. AfD-Vizesprecher Alexander Gauland „bemäntele“ die völkische Bewegung nur mit bürgerlichem Fadenschein. Als Entschuldigung für Übergriffe behaupte er „Hass ist ein Symptom und keine Ursache“. Die völkische Bewegung gehöre nicht zur politischen Mitte, sie sei eine Brandstifterin, so Zastrow.
So weit, so klar!
Die FAS stellte den Kommentar am 29.11. nachmittags ins Netz. Daraufhin erhob sich dort ein Sturm der Entrüstung. Binnen kurzem erschienen 740 Leserkommentare aus dem völkischen Lager, worüber Friederike Haupt in der FAS vom 6.12. berichtet. Von „linksfaschistischer Propaganda in der f.a.z.“ war da die Rede. Frauke Petry meldete sich auf Facebook zu Wort: „Neu in der F.A.Z.: Hass und Hetzjournalismus auf niedrigstem Niveau.“ Haupt: „Die Kommentare auf der AfD-Facebook-Seite lesen sich wie Beweise für die These, die sie entkräften wollen.“ Die FAS gehört zu „diesen Staats- eigenen Propaganda-Schmierblättern“. Rene Kruschewski postete ein Foto, das eine blonde Frau zeigt mit einem blonden Kind. darauf steht in altdeutscher Schrift: „Deutschland wird auch die BRD überleben.“
Alles klar?
Typisch ist bei dem rechtsextremen Hass, der über Volker Zastrow und andere Journalisten ausgegossen wird, dass die politischen Fronten verkehrt werden. Wer die völkische Bewegung kritisiert oder Wladimir Putin, der gilt als Nazi.
Umgekehrt wird ein Schuh draus!