Die Zahl der unbesetzten Lehrstellen in Deutschland steigt ständig (Vivien Timmler, SZ 24.11.15). Inzwischen beträgt die Quote bundesweit
6,6 Prozent.
In den letzten zehn Jahren hat sich die absolute Zahl der unbesetzten Lehrstellen verdreifacht. Besonders groß ist der Anstieg im Berufsfeld „Rohstoffe, Glas und Keramik“. Von 2011 bis 2014 hat sich der Anteil der unbesetzten Lehrstellen von 7,8 Prozent auf 16,1 Prozent erhöht. Noch schlechter sieht es bei den „Lebensmittelberufen“ (Köche, Fleischer, Bäcker) aus. Hier stieg der Anteil der unbesetzten Stellen im gleichen Zeitraum von 13,1 Prozent auf 19,1 Prozent.
Die größten Probleme mit unbesetzten Lehrstellen gibt es in Ost- und Süddeutschland. Aber aus unterschiedlichen Gründen. Während in Ostdeutschland die fallenden Schülerzahlen verantwortlich sind, läuft die Wirtschaft in Bayern besonders gut. Die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen haben den mit Abstand niedrigsten Anteil unbesetzter Lehrstellen. Sie bieten aber auch relativ wenige an. Nordrhein-Westfalen bietet demgegenüber 122 000 Lehrstellen, von denen nur 4,3 Prozent unbesetzt sind.
285 Berufe in Deutschland erfordern eine abgeschlossene Berufsausbildung. Davon wiesen in den vergangenen vier Jahren 23 einen starken Engpass bei den besetzten Lehrstellen auf.
Eine persönliche Zwischenbemerkung von mir: ein Grund für die Lage ist die Tatsache, dass heute 60 Prozent eines Jahrgangs ein Studium beginnen (1995: 30 Prozent). Auch wenn die OECD und andere das verlangen, ist es
ganz und gar falsch.
60 Prozent eines Jahrgangs sind den angemessenen Anforderungen an ein Studium nicht gewachsen. Ein Teil von ihnen kann einen Abschluss nur erreichen, wenn die Prüfungsanforderungen (die Qualität) gesenkt werden. Das kann kein vernünftiger Mensch wollen. Und die jungen Leute haben gar nichts davon.
Besonders in den
MINT-Fächern,
also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, steigt die Studentenzahl überdurchschnittlich schnell. Außerdem wächst die Zahl der Studierenden, die eine duale Ausbildung betreiben, also eine Kombination von Betriebsausbildung und Studium. 17 der 23 Engpassberufe werden in einer dualen Ausbildung erlernt.
Die gravierendste Folge der unbesetzten Lehrstellen ist der beängstigende Fachkräftemangel.