1058: Mirna Funk: Jeder Hanswurst hat eine Meinung zu Israel.

Mirna Funk hat im Sommer ihren Roman „Winternähe“ herausgebracht. Dafür erhielt sie den Uwe-Johnson-Förderpreis für das beste deutschsprachige Debüt der letzten zwei Jahre. Darin werden deutsch-israelische Beziehungen verhandelt. Die 1981 in Ostberlin geborene Autorin lebt als Journalistin in Berlin und Tel Aviv und heiratet demnächst einen Israeli. Mirna Funk ist die Urenkelein von Stephan Hermlin (1915-1997), der in der DDR einerseits kommunistischer Funktionär war, andererseits 1962 eine Lesung junger Lyriker organisiert hatte (mit Wolf Biermann, Volker Braun, Bernd Jentzsch, Sarah Kirsch, Karl Mickel) und 1976 zu den Organisatoren des Protests gegen die Aubürgerung Wolf Biermanns gehört hatte.

Mirna Funk ist von Ulrich Gutmair für die taz (17./18.10.15) interviewt worden.

Funk: Warum behauptet in Deutschland jeder, der antisemitische Äußerungen macht, kein Antisemit zu sein? Warum möchte jeder Hanswurst eine Meinung zu Israel haben?

taz: Das Schöne an ihrer Protagonistin ist, dass sie nicht nur sympathisch ist, sondern auch als nervende Tussi erscheint, die dumme Sachen sagt.

Funk: Es war mir wichtig, eine Protagonistin zu schaffen, die nicht so ist wie in anderen deutsch-jüdischen Romanen. Die zurückgehen zu den Wurzeln ihrer Familien, und alles ist wahnsinnig weichgespült und aufbereitet für den Deutschen, damit der sich nicht schämen muss. Das sollte eine durchgeknallte Jüdin sein, die sagt und denkt, was sie will. Sie sollte das Kantige repräsentieren, das in Deutschland nicht besonders beliebt ist.

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