1054: Der DFB hat ein schlechtes Gewissen.

Wir wissen jetzt, warum sich der DFB angesichts der Korruptionssümpfe bei Fifa und Uefa nicht in eine Führungsrolle bei der Aufklärung begeben wollte. Er hat ein schlechtes Gewissen bei den Vorwürfen, die Weltmeisterschaft 2006 mit Geld aus einer schwarzen Kasse ins Land geholt zu haben. Gemunkelt wurde das schon immer. Nun verdichtet sich der Verdacht. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hatte bisher allerdings nicht gesagt, warum er so zögerlich bei der Aufklärung der Fußball-Skandale war.

„Falls sich nun bestätigt, dass die deutsche Bewerbung für die Fußball-WM 2006 aus schwarzen Kassen alimentiert und befördert wurde, so läge das zunächst nur in der Logik des Fußballgeschäfts. Dieses findet ja in einer Parallelwelt statt: Der Sport, der größte Zweig der globalen Unterhaltungsindustrie, darf seine Milliardengeschäfte ohne Kontrolle durch externe Instanzen abwickeln – aufgrund einer bizarren, von allen Staaten garantierten Autonomie. In deren Schutz tätigt seit Dekaden eine kleine Kameradschaft von Funktionären ihre Deals.“ (Thomas Kistner, SZ 17./18.10.15)

Dabei spielten die Deutschen seit jeher eine zentrale Rolle. Installiert hat die Korruptionskultur der Adidas-Chef Horst Dassler (bis 1987). Nun soll der größte Teil des Geldes für die schwarze Kasse wieder von Adidas stammen. Alle Bewerbungsprozesse bei Olympia oder Fußballweltmeisterschaften zeigen das gleiche Muster.

„Weshalb, nebenbei, diese Affäre auch nahelegt, worum es bei der

Hamburger Bewerbung um die Spiele 2024 in Wahrheit gehen dürfte.“

Die Mär vom deutschen Sommermärchen 2006 ist dahin wie die Mär vom sauberen VW-Diesel.

Und Franz Beckenbauers („Sklaven-Franz“) Biografie wird wahrscheinlich neu geschrieben werden. (Hans Leyendecker/Klaus Ott, SZ 17./18.10.15)

Die SZ (17./18.10.15) druckt ein Foto (2001) mit den Mitgliedern des Organisationskomitees der Fußball-WM 2006 und den Mitgliedern des Aufsichtsrats: Wilfried Straub, Gerhard Mayer-Vorfelder, Otto Schily, Thomas Bach, Werner Hackmann, Theo Zwanziger, Günter Netzer, Horst R. Schmidt, Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach, Fedor Radmann.

Alle haben gewiss nichts gewusst.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.