Eine der großen deutschen Journalistinnen bekommt den Theodor-Wolff-Preis für ihr Lebenswerk, Barbara Sichtermann. Wir kennen sie aus der „Zeit“ und dem „Tagesspiegel“. Barbara Sichtermann hat auch sehr viel fürs Radio gearbeitet. 25 Jahre saß sie in der Jury des Adolf-Grimme-Preises. Ihre Themen sind Frauen, das Geschlechterverhältnis, Sex, Kinder und das deutsche Fernsehen. Frau Sichtermann ist stets sehr Problem bewusst und gleichzeitig selbstkritisch. Und sie kann schreiben.
Barbara Sichtermann kam aus der zweiten Welle der Frauenbewegung, die aus der Studentenbewegung der sechziger Jahre hervorgegangen war. „Wir haben alles in Frage gestellt und nochmal ganz neu angefangen. Es war eine großartige Zeit.“ Mit diesem Schwung hat die Frauenbewegung schon sehr viel Vernünftiges erreicht, auch wenn die ungleiche Wahrnehmung und Behandlung von Frauen und Männern noch nicht überwunden ist. Aber wir sollten die Erfolge dieser Bewegung nicht gering schätzen.
Barbara Sichtermann ist gelernte Schauspielerin. Sie zog 1968 nach Berlin, um VWL und Sozialwissenschaften zu studieren. Das hat ihr stets genügend Know How und Nüchternheit verliehen. Nach dem sie ein Kind bekommen hatte, begann sie ihre Karriere als Schriftstellerin. Ihre journalistischen Beiträge und Essays waren und sind immer eine gelungene Mischung aus theoretischer Analyse und eigener Erfahrung. 1983 erschien ihr Buch „Weiblichkeit. Zur Politik des Privaten“. Barbara Sichtermann hat gekonnt über Sexualität geschrieben, z.B. über Orgasmen. „Über Sex zu schreiben hat mich gereizt, weil es so schwer ist.“ Die Frauenbewegung hat sie dort zu Recht kritisiert, wie ich finde, wo diese die biologischen Unterschiede zwischen Frauen und Männern bestreitet (Mounia Meiborg, SZ 7.9.15).