Moderne Konzentrationslager (KZ) entstanden als Instrumente kolonialer Kriegsführung um 1900. U.a. KZs der Briten in Südafrika und der Deutschen in Südwestafrika. In seiner einleuchtenden Studie vergleicht
Jonas Kreienbaum
britische Lager im Burenkrieg (1899 bis 1902) mit deutschen Lagern im Krieg gegen die Herero und Nama (1904 bis 1907).
Ein trauriges Fiasko. Koloniale Konzentrationslager im südlichen Afrika 1900-1908. Hamburg (Hamburger Edition) 2015, 300 S., 28 Euro.
Kreienbaum fragt nach Praktiken, Gemeinsamkeiten und Kontinuitäten. Die kolonialen Lager waren nach seiner Meinung noch keine Vernichtungslager. Sie dienten im Guerillakrieg zur Abschottung der Kämpfer von der Unterstützung durch die eigene Bevölkerung. General von Trothas berüchtigter Vernichtungsbefehl wurde von Kaiser und Reichskanzler widerrufen. Die deutschen und die britischen Lager, so Kreienbaum, unterschieden sich kaum. Er widerspricht damit der
Sonderwegsthese.
Die Lager dienten auch nicht zur „Vernichtung durch Arbeit“. Entschieden wendet sich Kreienbaum gegen die These von der Kontinuität
von Windhuk nach Auschwitz.
Es gibt keine plausiblen Belege für ein nationalsozialistisches „Lernen“ von den kolonialen Konzentrationslagern. Die deutschen Lager in Südwestafrika spielten beim Aufbau der KZs keine Rolle (Peter Hoeres, FAZ 11.8.15).