275: „Was Romney plant, ist das Gegenteil dessen, was Amerika braucht“

Jeffrey Sachs leitet das Earth Institute an der Columbia-Universität in New York. Der Ökonom, der u.a. Polen und Russland beraten hat, ist skeptisch in Bezug auf die politischen Fähigkeiten von Barack Obama und Mitt Romney. Nikolaus Piper hat ihn für die SZ (16.10.12) interviewt.

SZ: Was bedeute die Wahl wirtschaftspolitisch?

Sachs: Amerika ist in einem besorgniserregenden Zustand. Präsident Barack Obama hat keine Vision, kein Programm. Er hört auf die Demokraten im Kongress und auf die Lobbyisten. Er könnte viel mehr erreichen, als wir denken. Aber dazu müsste er sich direkt an das amerikanische Volk wenden und die mächtigen Interessengruppen umgehen. In seiner ersten Amtszeit hat er das leider nicht getan. Sein grundlegender Fehler lag darin, dass er versuchte, das Insiderspiel in Washington zu spielen, obwohl er im Wahlkampf etwas anderes versprochen hatte. Sobald er im Weißen Haus war, stellte er Insider ein, die das Spiel der Lobbyisten spielten. Deshalb erreichte Obama ziemlich wenig. Seine Bilanz ist mittelmäßig, nicht nur wegen der republikanischen Opposition.

SZ: Und was ist mit Mitt Romney?

Sachs: Was Romney plant, ist das Gegenteil dessen, was Amerika braucht, es ist hässlich und zynisch. Trotzdem könnte es Wähler überzeugen, besonders jetzt, da die Republikaner so zuckersüß daherreden. Aber wenn Romney und sein Vize Paul Ryan versuchen, ihr Programm umzusetzen, werden sie scheitern. Steuersenkungen auf breiter Front wird es nicht geben, sie sind einfach undurchführbar. Es kämen sehr bittere Zeiten auf uns zu.

SZ: Die Basis der Republikaner wünscht sich nichts mehr als Steuersenkungen.

Sachs: Das ist eine Obsession der Partei seit 30 Jahren. Sie leben in der Vorstellung, dass jemand mit Geld keine Verpflichtungen irgendwelcher Art hat. Sollten sie versuchen, ihr Programm umzusetzen, würde es in einer sozialen Katastrophe enden. Und bei wichtigen Themen wie dem Klimawandel gäbe es keine Fortschritte.

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