963: Missbrauch durch die Stasi

Die 1971 geborene Angela Marquardt, die seit 2008 in der SPD ist und zum Kreis um Angela Nahles gehört, war zunächst als stellvertretende PDS-Vorsitzende und grelle Punkerin mit der großen Klappe bekannt geworden. 2002 wurde sie öffentlich mit ihrer 100-seitigen IM-Akte konfrontiert. Weil sie angab, sich an ihre Spitzeltätigkeit nicht erinnern zu können, hagelte es Häme. Hauptsächlich aus der PDS. Nun hat Angela Marquardt ein Buch über die Stasi-Zeit veröffentlicht:

„Vater, Mutter, Stasi“ Köln (Kiepenheuer & Witsch) 2015, 248 S.; 14,99 Euro.

Es ist wohl Notwehr und stellt einen Akt der Selbstermächtigung und Selbstbefreiung dar.

Marquardt wuchs in eine Stasi-Familie (Zwei Generationen) hinein. Ihr Martyrium begann, als sie neun war. Ihr leiblicher Vater quälte sie brutal. Später der Stiefvater, ein seelisch verwahrloster Stasi-IM, der sie mit 14 Jahren das erste Mal missbrauchte. Die Mutter, Pädagogin und IM, empfahl die Tochter an die Stasi. Was konnte ein Kind in dieser Atmosphäre der Abhängigkeit und des Ausgeliefertseins tun? Nur eins: den Irrsinn für normal zu erklären. Die so verständliche Verstörtheit hat das Buch. Es schildert das blanke Überleben. Die Autorin hat den Spuk bezwungen (Ines Geipel, Die Zeit 28.5.15).

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