Französische Philosophen äußern sich regelmäßig klar und ohne zu große Rücksichtnahme auf die „Political Correctness“. Das kennen wir in Deutschland so nicht. Klar ist auch
Alain Finkielkraut,
als er zur geplanten Schulreform in Frankeich von Georg Blume (Die Zeit 21.5.15) befragt wird.
Zeit: Aber die französische Schule hat sich im Kern doch gerade nicht geändert. Immer noch steht der Lehrer vor der Klasse, wissen die Schüler nicht, wie Gruppenarbeit läuft. Deshalb will die neue Mittelstufen-Reform 20 Prozent des Unterrichts freigeben für neue Methoden und mehr fächerübergreifenden Unterricht einführen. Finnland macht das seit Jahren – und ist Pisa-Sieger.
Finkielkraut: Was Sie sagen, ist falsch, falsch, falsch! Bitte etwas mehr historische Bescheidenheit! Seit den Tagen Platons bedeutet unterrichten, dass der Meister zu seinen Schülern spricht. Die westliche Zivilisation basiert darauf. Heute erzählt man uns, dass Lehrer lernen müssen, anders zu unterrichten. Aber das entintellektualisiert die Lehrer. Welche Unverschämtheit! Tatsächlich raubt die Reform den Lehrern die Unterrichtsfreiheit. Und welchen Sinn macht fachübergreifender Unterricht in einer Zeit, wo Französisch zur Fremdsprache für die Mehrheit der Schüler wird, sie Satzbau und Orthografie nicht beherrschen und ein immer kleineres Vokabular haben? Aber darum kümmert man sich nicht, man macht lieber Projektarbeit.