1944 war er in Polen aus der Wehrmacht desertiert. In der DDR studierte er bei Ernst Bloch, dessen utopisches Denken er schätzte. Aber er war stets unangepasst und musste deshalb 1956 die SED verlassen, fühlte sich seither als Antikommunist. In der BRD aber, in die er 1957 geflüchtet war, eckte er ebenso häufig an. Hier wurde er Schriftsteller. Sein autobiografischer Roman
„Kopf und Bauch. Die Geschichte eines Arbeiters, der unter die Intellektuellen gefallen ist.“ (1971)
ist heute noch lesenswert. 1973 folgte der Roman
„Die Erde ist unbewohnbar wie der Mond“,
der Rainer Werner Fassbinder als Vorlage für sein Skandalstück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ gedient hat. Seither konnten beide als Antisemiten gesehen werden. Seinem „Vorbild“ Kurt Tucholsky fühlte sich Zwerenz stets verbunden. Das zeigt sein Essay
„Soldaten sind Mörder“ (1988).
1994 wurde Gerhard Zwerenz für die PDS für vier Jahre in den Bundestag gewählt. Nun ist er neunzig Jahre alt geworden.