935: Deutschland – Israel: schwierige Beziehungen

Im fünfzigsten Jahr der israelisch-deutschen diplomatischen Beziehungen ist das Verhältnis auf offizieller Ebene ausgezeichnet. Israels Sicherheit gehört zur deutschen Staatsräson (Angela Merkel). Darüber sollten wir froh und dankbar sein, nachdem zunächst niemand auch nur einen Pfennig darauf gesetzt hätte. Und wir müssen Israel U-Boote verkaufen. Die braucht es für seine Sicherheit. Angesichts von radikal-islamistischen Kräften in seiner Umgebung, die nach wie vor offen auf die Vernichtung Israels aus sind. So weit, so gut. Israel gehört zum Westen.

Tatsächlich sind die deutsch-israelischen Beziehungen viel unsicherer, ja, sie zeigen krisenhafte Züge. Die neue israelische Regierung will gar keinen Frieden, sie lehnt die Zwei-Staaten-Lösung ab und verlängert auf der Westbank die Besetzungs- und Besatzungspolitik. Das kommt für uns nicht in Frage. Und das müssen wir den israelischen Partnern auch sagen. Die Zwei-Staaten-Lösung ist eine Gründungsbedingung für Israel. Da können die Israelis jetzt nicht so tun, als gäbe es da noch etwas, das ihnen abzuhandeln wäre.

Generell gibt es gegenläufige Entwicklungen in den beiden Staaten.

1. In Israel lautet das Motto „Nie wieder Opfer!“, in Deutschland „Nie wieder Krieg!“.

2. Während in Israel die identitätsstiftende Bedeutung der Religion (mit teilweise aberwitzigen Folgen z.B. am Sabbath) zunimmt, verblasst in Deutschland die prägende Kraft der christlichen Religion.

3. Während in Israel Deutschlands Ansehen steigt, wächst in Deutschland die Israelkritik. Jüngere Deutsche und Migranten aus muslimisch geprägten Ländern verstehen die Verbundenheit Deutschlands mit Israel auf Grund der

Schoah

nicht mehr wirklich.

Die deutsche Israelkritik, die von ganz unterschiedlichen Autoren aus bisweilen sehr verschiedenen Gründen geübt wird, verstehen in Israel wenige. Als Kritiker sind zu nennen

Günter Grass,

Jakob Augstein,

Norbert Blüm,

Jürgen Todenhöfer,

Theo Sommer.

Das sind keine Antisemiten. Insofern ist die Generalthese in dem Buch von

George M. Hafner/Esther Schapira: Israel ist an allem Schuld. Warum der Judenstaat so gehasst wird. Köln (Eichborn) 2015, 317 S., 19,99 Euro

falsch. Nicht zu leugnen allerdings ist die Tatsache, dass viele von uns Deutschen die Schoah mit

Projektionen

zu verarbeiten suchen und mit Beschönigungen („Opa war kein Nazi.“). Solche Bewältigungsversuche laufen auf die fatale These hinaus, dass Israel die Palästinenser heute so behandeln würde, wie seinerzeit die Nazis die Juden.

Grober Unfug.

Er wird von Leuten vertreten, die ihre Position mit israelischen Parolen zu untermauern trachten wie „Gas the Arabs.“. Eine ziemlich ausweglose Lage (Ralf Fücks, taz 12.5.15; Susanne Knaul, taz 12. 5.15., Richard Herzinger, Literarische Welt 16.5.15.).

 

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.