Fast wäre Ernest Borneman Programmdirektor des ZDF geworden. Aber der 1915 in Berlin geborene Jude war überall ein Außenseiter. Kurz vor dem Abitur musste er 1933 aus Deutschland fliehen. Vermutlich war er Mitglied der KPD. In der Emigration in Großbritannien und in Kanada bildete er sich autodidaktisch, arbeitete als Filmemacher und schrieb als Journalist über Jazz. Diese Musik sah er als fröhlich und lebensbejahend und machte daraus kein akademisches Projekt. Ende der fünfziger Jahre arbeitete Borneman für das ZDF. Aber er blieb stets ein freier Autor. Seit den sechziger Jahren setzte er sich orientiert an der
Psychoanalyse
für freie Sexualität
ein. Dabei blieb er stes nüchtern und sachlich, schaffte aber als Nicht-Studierter den Anschluss ans akademische Milieu nicht mehr. Hier etablierte sich eine empirisch arbeitende Sexualwissenschaft. Borneman wurde zusehends desillusionierter. Er betrachtete seine Themen
Sozialismus, Psychoanalyse und freie Sexualität
als überwiegend gescheitert. 1995 beging Borneman Selbstmord. Der dänische Historiker Detlef Siegfried hat ihm eine Biografie gewidmet:
„Moderne Lüste. Ernest Borneman – Jazzkritiker, Filmemacher, Sexforscher.“ Göttingen (Wallstein) 2015; 29,90 Euro (Jan Feddersen, taz 28.4.15).