909: Wladyslaw Bartoszewski gestorben

Der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Zwei Linien bestimmten seine politische Identität:

der Kampf gegen die totalitären Diktaturen der Nazis und der Kommunisten und

die Aussöhnung der Polen mit den Deutschen und den Juden.

Seine Lektion hatte er wohl auf dem Appellplatz in Auschwitz 1940 gelernt. 5000 Mann stehen auf dem Platz. SS-Männer rufen einzelne Gefangene vor, werfen sie zu Boden, treten sie, bis sie leblos daliegen. Und 5000 Mann, gegenüber die SS-Maschinengewehre, unternehmen nichts.

Bartoszewski hat daraus seine Lehren gezogen. In seinem späteren Leben, wo er unter Stalin und der Solidarnosc noch zweimal im Gefängnis saß, war er bekannt für seine schnelle Zunge, seinen auch schwarzen Humor, seine verletzliche Eitelkeit und seine biblischen Donnerwetter. Der überzeugte Katholik blieb niemals mehr politisch passiv. 1941 erreichte es das Internationale Rote Kreuz, für das er arbeitete, dass er freikam. Er schloss sich der polnischen Heimatarmee AK an. Im „Komitee für Judenhilfe“ besorgte besorgte Bartoszewski für Juden gefälschte Ausweise. Dafür wurde er von Israel in den Rang eines „Gerechten der Völker“ erhoben.

Bartoszewski stellte sich aber auch polnischem Fehlverhalten. Er brachte den polnischen Präsidenten Alexander Kwasniewski dazu, sich für die Mordtaten in

Jedwabne

zu entschuldigen. Bartoszewskis Versuche der Versöhnung mit Deutschland waren in Polen zunächst hochgefährlich. Die Kommunisten und die Nationalisten bezeichneten solche Leute gerne als „Lakaien Berlins“. Für Wladyslaw Bartoszewski war das Böse, das dem polnischen Volk in überreichem Maße angetan worden war, kein Grund, selber böse zu handeln. In seiner großen Rede vor dem deutschen Bundestag 1995 erkannte er die Mitschuld seines eigenen Volks bei der Vertreibung der Deutschen aus den heutigen polnischen Westgebieten an. Der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk, machte in seiner Zeit als polnischer Ministerpräsident Bartoszewski zu seinem Deutschlandbeauftragten (Konrad Schuller, FAS 26.4.15).

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.