886: F.J. Raddatz hat deutsche Kriegsfilme kritisiert.

Fritz J. Raddatz war meistens ein unerbittlicher Kritiker. Etwa der Schriftsteller der „inneren Emigration“. Insbesondere hat er sich verdient gemacht als Kritiker von Kriegsfilmen. So schrieb er am 8. März 1985 über den ungeheuer erfolgreichen Film von Wolfgang Petersen „Das Boot“, der auch in Hollywood reüssierte, das Folgende:

„Ein Kriegsfilm am Rande der Verherrlichung. (…) Es geht mir um die zugleich so simple wie komplizierte Frage nach der politischen Moral; die dieser Film nicht stellt: Wie war denn das so im Stuka über Warschau? Im Panzer vor Leningrad? Im U-Boot eben unter dem Atlantik? Das war doch nicht nur heiß und eng und voller Gestank, Schweiß, Angst und Zote? Das war doch auch ein Verbrecher-Handwerk? Ich will gar nicht so weit gehen wie Kurt Tucholsky, der gesagt hat ‚Soldaten sind Mörder.‘ (…) Ich will aber so weit gehen, zu sagen: Schiebt es nicht immer auf ein paar SS-Bestien und Leibstandarten-Henker – auch die deutsche Wehrmacht hat tausendfach Verbrechen begangen; hat gemordet, geplündert, gebrandschatzt, geraubt. Sie hat einem der schlimmsten Terroristen der Geschichte g e d i e n t . (…)

Die guten Leute (…) waren privat vielleicht ehrbar, muntere Puffgänger, brave Familienväter und feste Trinker bei Rosita Serranos Schellack-Gekrächze. Doch was sie ausübten, war ein unehrbarer Beruf. Und sie wollten siegen; ‚Wir bauen für den Sieg‘ stand an einem U-Boot-Bunker des Films gepinselt. Wohl wahr. Gott bewahre, sie h ä t t e n gesiegt.

Keine dieser Fragen stellt der Film.

Er zieht unser Mitleid in die falsche Richtung; weil ein Film ja optisch argumentiert, nicht verbal, zieht er den Beobachter auf die Seite der Männer in ihrer Not und Bedrängnis und macht prompt vergessen, dass ja sie es waren, die Tausende in Not und Bedrängnis brachten, Frauen und Kinder in den Tod bombten. (…)

Bestimmte Dinge nicht sagen – auch das kann heißen: lügen. Insofern ist dies ein verlogener Film.“ (Ulrich Greiner, Die Zeit 5.3.15)

Genau. So funktionieren Kriegsfilme stets: die Gräuel des Krieges munter und gekonnt zu zeigen. Und dann die Männer, die angeblich darin sauber geblieben sind. Die Helden. Kriegshelden. So wird der Krieg verherrlicht.

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