868: Albert Maysles gestorben

Im Alter von 88 Jahren ist Albert Maysles gestorben, einer der Pioniere des „Direct Cinema“ in den USA und ein großartiger Dokumentarist (Bettina Ehrhardt, SZ 9.3.15). Anfang des sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts beruhte das „Direct Cinema“ auf der neuen,

kleinen, beweglichen Kamera (größtenteils auf der Schulter),

die für die Dokumentaristen Geistesgegenwart, Spontaneität, Beweglichkeit forderte und ermöglichte und damit einen ganz neuen authentischeren Filmstil. Die Improvisationskunst des Jazz kam dazu und die Erkenntnis, dass für die Wirkung eines Films

der Schnitt

entscheidend ist. Zu der Gruppe der „Direct Cinema“-Pioniere gehörten neben Maysles

Richard Leacock

und

Don Allan Pennebaker,

die bei einzelnen Projekten auch zusammenarbeiteten. Maysles porträtierte Künstler und Kreative bei der Arbeit wie die Rolling Stones in Altament 1969, den Pianisten Vladimir Horovitz und den Architekten Richard Meier. Seine größte Stärke aber bestand darin, dass er Menschen in prekären Lebensverhältnissen, die „kleinen Leute“, in seinen Filmen ganz ernst nahm. Etwa Mutter und Tochter auf ihrem heruntergekommenen Anwesen im Generationenkampf, einen glücklosen Bibelverkäufer etc. Sein letzter Film ging über die 94-jährige Modekünstlerin Iris Apfel.

Und obwohl Maysles für das seinerzeit radikal Neue steht, gehört er doch in die Tradition der großen Dokumentaristen wie

den Amerikaner Robert Flaherty, den Schotten John Grierson, den Russen Dsiga Vertov, den Niederländer Joris Ivens und den Polen Jerzy Bossak.

Sie alle sind für uns Dokumentarismus-Fans große Vorbilder. Wir haben von ihren Filmen gelernt und davon, dass wir 1973

Klaus Wildenhahns

großartiges Buch „Über synthetischen und dokumentarischen Film. Zwölf Lesestunden“. Frankfurt (Kommunales Kino), 231 Seiten, lesen konnten.

 

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