Hilmar Klute, Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“, hat eine gründliche, kluge und liebevolle Ringelnatz-Biografie geschrieben. Von Hans Boetticher (1883-1934), wie der Dichter eigentlich hieß, ist allerdings schon einiges bekannt. Hier wird es untermauert und bekräftigt (Dirk von Petersdorff, FAZ 7.3.15).
Dass er ein schwererziehbarer Jugendlicher war, Matrose, fromm, Kleinkünstler in Schwabing, Großkünstler in Berlin, erfolgreicher Netzwerker und – nicht zuletzt – ein eingeschworener Gegner der Nazis. Weshalb er das ganz andere Verhalten Gottfried Benns (1885-1956) deshalb zu Recht als „kläglich“ bezeichnete.
Ringelnatz hatte eine große Nähe zu dem zu seiner Zeit aufkommenden Sport. Hilmar Klute schildert seine harten Lehrjahre auf See und seine Kabarettisten-Lehrjahre im Schwabinger „Simplicissimus“. Und er übergeht nicht die Situationen „großer Verlorenheit“. 1920 hatte Ringelnatz Leonarda Pieper geheiratet, „Muschelkalk“, die nach seinem Tod dazu beitrug, dass sein künstlerischer Rang nicht ganz in Vergessenheit geriet.
Das Ende der Weimarer Republik und der Sieg der Nazis waren für den Dichter bitter. Trotzdem wurden zunächst noch wilde Partys gefeiert. Mit Gästen wie der Schauspielerin Asta Nielsen und dem Jagdflieger Ernst Udet. „Muschelkalk“, die in der Nazizeit zum Kreis von Gottfried Benn gehörte, schrieb: „Unter diesem Herzen habe ich gewohnt, bis ich nach dem Tode von Ringelnatz aus der Wohnung am Sachsenplatz ausziehen musste.“