864: Briefwechsel Reich-Ranicki – Rühmkorf

Waren sie nun Freunde oder nicht, der unerbittliche Großkritiker Marcel Reich-Ranicki (1920-2013) und der kapriziöse Poet Peter Rühmkorf (1929-2008)? Darüber gibt auch ihr nunmehr herausgegebener Briefwechsel zwischen 1967 und 2006 keinen endgültigen Aufschluss:

Marcel Reich-Ranicki und Peter Rühmkorf: Der Briefwechsel. Hrsg. von Christoph Hilse und Stephan Opitz. Göttingen (Wallstein) 2015, 334 Seiten, 22,90 Euro.

Es sind 287 Briefe einschließlich von Postkarten und Telegrammen. Hauptsächlich begegneten die Beiden sich als Literaturchef der FAZ und als Rezensent. Der Band enthält manche kecke Wendung, etwa wo Rühmkorf ein höheres Honorar verlangt: „Es würde der weiteren Zusammenarbeit ein gutes Fundament einziehen helfen. Die Gerechtigkeit gegenüber den Kollegen bliebe in jedem Fall gewahrt, weil ich nie was hinwichse, immer Grundlagenforschung mitliefre.“

Marcel Reich-Ranicki schreibt: „Ich warte nun sehnsüchtig (und tue dies schon seit über einem Jahr) auf Ihren Ringelnatz-Aufsatz. Gott hat für die Erschaffung der Welt sechs Tage gebraucht, und wieviel brauchen Sie für eine Kritik? Doch wird diese gewiss vollkommener sein als jene. Hebbel-Tagebücher? Muss das sein? (…) Wenn Sie aber unbedingt etwas zu Hebbel sagen wollen – wir werden uns schon einigen, von Ihnen nehme ich ja, wie Sie wissen, eigentlich alles. Ich kann nur mit Heine sagen: Mein Liebchen, was willst du noch mehr?“ (Hubert Spiegel, FAZ 7.3.15)

Gibt es heute solche Briefwechsel noch?

Sehr lesenswert.

 

 

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