202: Documenta-Leiterin für Wahlrecht von Hunden

Wenn sich eine Documenta nähert, sind wir stets auf Besonderes oder das gespannt, was als Überraschung gelten kann. Das wird mit steter Marketing-Methode auch 2012 erfüllt. Die künstlerische Leiterin der Documenta, Carolyn Christov-Bakargiev, hat nun das Wahlrecht für Hunde gefordert (Interview von Kia Vahland in der SZ vom 31.5.)

SZ: Warum sollen Hunde wie Frauen wählen dürfen?

C.-B.: Warum nicht? Gehört die Welt denn weniger den Hunden als den Frauen?

SZ: Sehen Sie keinen fundamentalen Unterschied zwischen Frau und Hund?

C.-B.: Absolut nein! Es gibt keinen grundlegenden Unterschied zwischen Frauen und Hunden oder zwischen Männern und Hunden. Auch nicht zwischen Hunden und den Atomen, die meinen Armreif bilden. Ich denke, alles hat seine Kultur. Die kulturelle Produktion der Tomatenpflanze ist die Tomate.

SZ: Wenn alles aus dem gleichen Stoff ist, was macht dann noch das Besondere der Kunst aus?

C.-B.: Nichts. Nichts oder alles. Sie sagen, es gibt eine Verbindung zwischen Höhlenmalerei und Piet Mondrian, weil Sie aus der Kunstgeschichte kommen und nicht aus der Quantenphysik. …

SZ: Wozu brauchen Hunde Kunst und einen eigenen Skulpurenpark?

C.-B.: Das ist keine Kunst, wie wir sie definieren. Das ist ein Ort des sinnlichen und intellektuellen Genusses, ein Ort zum Denken. Auch Hunde denken! Wir zeigen auch einen Garten für Schmetterlinge. Der soll den Schmetterlingen gefallen, nicht den Menschen.

SZ: Kann alles auf der Welt Kunst sein?

C.-B.: Alles kann Material für Kunst sein. Die Definition von Kunst, so wie ein Künstler über Kunst denkt, ist nicht in den Grenzen der Disziplinen zu denken. Ich denke nicht, dass die Werke der Menschen besser sind als andere Werke. … Ich teile nicht die Weltsicht der Moderne seit der Aufklärung, immer Kategorien bilden zu müssen. Den Impuls, Unterschiede zu definieren, teile ich nicht.

SZ: Ich bin ich und damit anders als meine Umwelt, ist dieser Impuls nicht Grundlage der Subjektivität und damit auch des kreativen Schaffens?

C.-B.: Nein! Ich bin Feministin, ich glaube, das Subjekt ist ein kontinuierliches Sich-Durchdringen mit anderen, die sogenannten Subjekte sind auch Objekte. Nicht der Fußballer ist das Subjekt, der Ball entscheidet die Richtung, in die er fliegt. Sie sprechen vom Standpunkt der westlichen Philosophie aus, die interessiert mich aber nur bis zu einem bestimmten Punkt. Ich weiß nicht, ob ich ein Subjekt bin.

Wilfried Scharf: So viel zu den geistigen Grundlagen der Documenta. Und bitte: nicht gleich zu Begriffen wie „Scharlatanerie“ kommen. Das ist viel zu hoch gegriffen. Es genügt, auf dem Boden der westlichen Philosophie zu bleiben. Wo es klarere Unterscheidungen zwischen Subjekt und Objekt gibt als bei Christov-Bakargiev. Vom Fußball hat sie auch keine Ahnung. Und das angesichts der Fußball-Europameisterschaft. Vielleicht sollte einmal der Tierschutzverein Hunde nach ihrer Meinung über die Documenta befragen.

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