794: Hermann Weber tot.

Hermann Weber lernte ich schon Anfang der sechziger Jahre als Schüler kennen. Weil seine Bücher und Broschüren, die er im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung geschrieben hatte, in unserer Schulbücherei greifbar waren. Ich habe sie verschlungen, weil ich spürte, dass hier einer aus Erfahrung und intimer Kenntnis schrieb und nicht, wie manche blasse Epigonen später. So lernte ich früh die Nomenklatura der DDR kennen.

Hermann Weber kam 1928 als Arbeiterkind zur Welt. Sein Vater wurde von der Gestapo eingesperrt. Weber musste sein Lehrerstudium abbrechen und arbeitete bei der Straßenbahn. 1945 trat er konsequenterweise in die KPD ein. Ausgebildet an der SED-Hochschule in Klein Machnow arbeitete er auch in der Bundesrepublik. Durch den 17. Juni 1953 wurde sein kommunistisches Weltbild zerstört. Die SED erklärte Hermann Weber 1954 zum „trotzkistischen Agenten“ und schloss ihn aus.

In der Bundesrepublik holte Weber sein Abitur nach und studierte Politik und Geschichte, wurde aber erst 1975 auf den Lehrstuhl für Politik in Mannheim berufen. Er suchte wissenschaftlich zu ergründen, was Kommunismus war. Weber sind Grundlagenwerte zur Stalinisierung der SED und zur Geschichte der DDR zu verdanken. Er leitete in Mannheim die Forschungsstelle zur DDR-Geschichte und wirkte an der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit. Hermann Weber ist am 29.12.14 in Mannheim gestorben (Willi Winkler, SZ 8.1.15).

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