726: Bezahlte Wissenschaft als Nebelwerfer

Wenn neue Medien entstehen oder zumindest neue Kommunikationskanäle geöffnet werden wie die sozialen Online-Netzwerke, dann können wir sicher sein, dass nun alsbald die Mitarbeiter von

Public Relation (PR)-Agenturen

ihre Arbeit aufnehmen (Vgl. W. S.: „Public Relations“ in der Bundesrepublik Deutschland. Ein kritischer Überblick über die gegenwärtig maßgeblichen Ansichten. In: Publizistik 2/1971, S. 163-180). Manchmal verstopfen sie diese Kanäle, meistens aber ist ihr Hauptziel

Desinformation.

Diese PR-Agenturen arbeiten im Auftrag privater Interessenten (Firmen, Verbände, Lobbys), sie verfolgen im Gegensatz zum Journalismus keine

öffentliche Aufgabe

und sind deswegen überhaupt nicht der Wahrheit verpflichtet. Am besten arbeiten sie dann, wenn wir nicht merken, dass sie arbeiten, wenn ihre Produkte so aussehen wie journalistische Produkte (Nachrichten, Berichte, Interviews, Kommentare etc.).

Dies führt dazu, dass seit etwa 60 Jahren (seit 1950 etwa) bei so wichtigen Themen wie dem Passivrauchen, dem sauren Regen, dem Ozonloch oder dem Klimawandel bezahlte Wissenschaftler als Nebelwerfer auftreten. Dies hat u.a. Naomi Oreskes, die in Harvard Geologie und Geschichte lehrt, in einer Literaturstudie herausgearbeitet. Markus Balser und Christopher Schrader haben sie in der SZ (3.11.14) interviewt.

SZ: Frau Professor Oreskes, seit Jahren werden Klimaforscher vor allem in den USA mit absurden Behauptungen einer kleinen Gruppe sogenannter Skeptiker diskreditiert. Steckt dahinter ein System?

Oreskes: Und ob. Sogar ein ziemlich infames. Skepsis ist ja eigentlich eine wichtige Tugend von Wissenschaftlern. Es ist ihre Aufgabe, Beweise zu verlangen und Ergebnisse zu hinterfragen. Der Zirkel von Männern, über die wir hier reden, hat diese Tugend bewusst missbraucht. Er hat die Stärke der Wissenschaft in eine Schwäche verwandelt. Es geht darum, gezielt Dissens vorzutäuschen. Das Ziel: die öffentliche Meinung zu manipulieren und Zweifel am Klimawandel zu säen.

SZ: Wo liegt der Ursprung dieses Zirkels?

Oreskes: Bei der Tabakindustrie, 1953 erschien ein sehr populärer Artikel im ‚Reader’s Digest‘ mit überzeugenden wissenschaftlichen Belegen, dass Zigarettenrauch Krebs bei Laborratten auslöst. Die Tabakfirmen dachten, das ist das Ende der Industrie, und beauftragten die PR-Agentur Hill & Knowlton. Der Chef gab ihnen einen folgenreichen Rat: Ihr müsst die Wissenschaft mit Wissenschaft bekämpfen und den Amerikanern einreden, dass die Frage in der Forschung nicht entschieden ist. Dieser Strategie folgen die Unternehmen seit 60 Jahren.

Ergänzung W.S.: So kann man auch der Evolution als konkurrierendes Modell die Schöpfungsgeschichte an die Seite stellen, wie es die „Kreationisten“ und andere tun.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.