Das vom Deutschen Bundestag 2008 beschlossene „Gesetz zu dem Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ beruht auch auf Rechen- und Denkfehlern. Das meint zumindest Otto Speck, Emeritus für Sonderpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (SZ 21.10.14). Danach nahmen alle Fraktionen an, dass „Inklusion“ mit der vollständigen Abschaffung des Förderschulsystems gleichzusetzen sei.
Seit den Empfehlungen des Deutschen Bildungsrates 1973 ist Integration das Ziel von Unterricht, ein möglichst gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern. Ein Denkfehler liegt in der Annahme, dass „inklusive Bildung“ nicht mit einem exklusiven Schulsystem (mit Förderschulen) vereinbar sei. Denn es kann zweifellos keine Inklusion ohne Exklusion geben. Wer in einer Partei Mitglied ist oder einer bestimmten Konfession angehört, ist dadurch von den anderen ausgeschlossen. Das Menschenrecht auf Teilhabe wird durch partielle Exklusionen nicht aufgehoben.
Die Bildungssysteme, die bei uns weithin als fortschrittlich gelten, kennen durchaus „special schools“ und „special classes“. Die skandinavischen Länder, Großbritannien, Niederlande, USA und Japan. Darin werden zwei bis drei Prozent aller Schulkinder unterrichtet. Das Bundesverfassungsgericht hat 1997 ausdrücklich festgestellt, dass Sonderschulen keine benachteiligenden Einrichtungen sind.
Bedauerlicherweise fehlt es bei uns weithin an Kostenschätzungen für die Inklusion. Im Auftrag der Grünen hat das Berliner Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie 2009 eine solche Schätzung vorgenommen. Diese Expertise taucht in der gegenwärtigen Debatte (auch im Netz) nicht auf. Sie gilt wohl als schädlich für die Umsetzung des radikalen Inklusionsansatzes. Danach würden sich die Kosten für ein vollständig inklusives Schulsystem 2020 auf etwa 49 Milliarden Euro belaufen. Zöge man die bisherigen Kosten für das Förderschulsystem in Höhe von 15 Milliarden ab, so wären immer noch 34 Milliarden Euro zur Finanzierung erforderlich. Nach dieser Berechnung kostet ein pädagogisch substanziell ausgebautes System schulischer Inklusion doppelt so viel wie das Förderschulsystem.
Ich mag mir die Finanzierungsbemühungen für die totale Inklusion gar nicht vorstellen. Auch nicht die vielen stark frustrierten behinderten Kinder. Ist es nicht manchmal so, dass Vorschläge für unser Bildungssystem, die aus dem Ausland kommen, OECD: Abiturientenquote, UN: Inklusion, unseren Bedingungen nicht gerecht werden? Höflich formuliert.