683: Werner Scholem – ein „linker“ Kommunist

Sie waren drei Brüder aus einer angesehenen jüdischen Familie in Berlin,

Gerhard, Werner und Erich Scholem.

Der berühmteste Gerhard

(Gershom),

ein früher Zionist und Erforscher der jüdischen Mystik. Schon früh hielt er die Geschichte der Juden in Deutschland für beendet und wanderte Anfang der zwanziger Jahre nach Palästina aus (Lorenz Jäger, FAZ 4.10.14). In seinem Haus in Jerusalem führte er deutschen professoralen Lebensstil vor. Er war der Antipode Hannah Arendts nach dem Eichmann-Prozess 1962 und eine der wissenschaftlichen Leitfiguren in Israel.

Erich

schloss sich der DVP an, der liberalen Partei Stresemanns.

Werner

schließlich war ein bekannter Berliner „ultralinker“ Kommunist, der als sehr junger Mann mit Ruth Fischer und Arkadi Maslow 1924/25 in den Vorstand der KPD gewählt wurde. Ernst Thälmann war in der Zeit der einzige Nicht-Jude dort. Die „Linken“ hatten nicht lange großen Einfluss. Mit der „Bolschewisierung“ verloren sie ihre Macht. Für Werner Scholem begann 1933 ein Martyrium, 1940 wurde er in Buchenwald ermordet.

Nun sind zwei Biografien über ihn erschienen:

Mirjam Zadoff: Der rote Hiob. Das Leben des Werner Scholem. Müchen (Carl Hanser). 2014, 384 S., 24,90 Euro und

Ralf Hoffrogge: Werner Scholem. Eine politische Biografie (1895-1940). Konstanz (UVK), 496 S., 24,99 Euro.

Ernst Jünger

ausgerechnet war ein Klassenkamerad Werner Scholems gewesen. Er schrieb an Gershom Scholem über Werner: „Sein Bild hat sich mir schärfer als das der übrigen Klassenkameraden eingeprägt. Das mag daher kommen, dass er im Vergleich zu uns Pubertären ein Erwachsener war, und wie ich jetzt zu meinem Erstaunen aus seiner Vita erfuhr, bereits in politischer Aktion. Nur der Lehrer hatte es bemerkt, offenbar in einer Art von angstvoller Sympathie. Ich kann mir denken, welche Sorgen es Ihrem Vater bereitet hat.“

Friedrich Stampfer,

Sozialdemokrat vor 1933 und nach 1945, sah Werner Schoelm nicht sehr freundlich. „Die Kommunisten behaupteten, erregt zu sein, weil viele ihrer Genossen in den Kerkern säßen, aber sie selber waren es gewesen, die durch ihre wahnwitzige Putschtaktik ihre Anhänger in die Gefängnisse getrieben hatten. Von echter Erregung war nichts zu spüren. Man hörte grölende Witze und gellendes Gelächter. Führer in diesem Treiben waren zwei junge Menschen, Werner Scholem und Ruth Fischer …“

Walter Benjamin,

der Freund Gerhard Scholems, sah mit der Wahl Werner Scholems in den Reichstag die „Hefe“ des Volkes auf der Tribüne angekommen. Und Gershom Scholem schrieb über den Machtkampf in der KPD: „Sie haben ihn sechs Jahre später als Trotzkisten ‚hinausgeworfen‘, wie einen großen Teil der Juden in der kommunistischen Bewegung (in der Tat waren die führenden Trotzkisten zum überwiegenden Teil Juden, was man heute zu vertuschen sucht, wie man es immer tut mit unangenehmen Dingen.)“

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