Angesichts zweier kurzer Werbefilme von Andreas Bruns und Wim Wenders („berühmter Regisseur“) schreibt der deutsche Schauspieler Tom Schilling über Werbung (FAS 28.9.14).
„Mit Film, geschweige denn Filmkunst hat das Ganze so viel zu tun wie die Band The Boss Hoss mit Country. Werbung, egal wie virtuos sie gemacht ist, verfolgt nur einen Zweck: Verkaufen! Autos, Espresso, Burger, Versicherungen, Partnerschaften. Oder eben Seife. Die Aufgabe der sogenannten Kreativen ist es, dafür den passenden ‚Look‘ zu entwickeln, meist indem man ‚Moods‘ aus Spielfilmen kopiert.“
„Es macht mich nämlich wütend, wie Werbung unser Leben durchdringt, sich alles einverleibt und vor nichts halt macht. Punk, Street Art, Film, egal. Alles Reine, Echte, Poetische, das Subversive und Rebellische, alles wird von der Industrie und ihren Kreativ-Angestellten durch den Reißwolf gedreht. Die raffiniertesten Kampagnen sollen bei dem Konsumenten das Gefühl erzeugen, nicht beworben, sondern beschenkt worden zu sein. Im Fall von Wim Wenders hat man also kostenlos einen poetischen Kurzfilm sehen dürfen, mit freundlicher Unterstützung von Magnum. Sukzessive verschwimmen die Grenzen. Man scheint zu vergessen, was Werbung von Film unterscheidet: Filme vermögen es – ich rede von den wenigen guten -, die Welt zu verändern, den Horizont der Menschen zu erweitern, den Geist zu wecken. Werbung hingegen imitiert und zitiert Kunst lediglich; sie karikiert und klischiert die Welt; sie korrumpiert und sediert den Geist.“
W.S.: Ja, dieser schon so erfolgreiche junge Mann hat eine Perspektive wie wir 68er (heute wohl: Alt-68er). Soll ich mich darüber freuen? Ich tu’s einfach. Er hat nämlich Recht.
A propos Wim Wenders: er war besser als Filmkritiker (in der „Filmkritik“). Als Filmemacher hat er einfach nichts zu sagen. Obwohl wir „Im Lauf der Zeit“, „Der Stand der Dinge“ und „Himmel über Berlin“ noch nicht vergessen haben.