Der berühmte katholische Theologe Hans Küng ist stets ein Vatikan-Kritiker gewesen, hat aber Wert darauf gelegt, permanent als Katholik erkennbar zu sein (Matthias Drobinski SZ 2.9.14). Nun hat er ein Buch geschrieben, in dem er sich für „aktive Sterbehilfe“ ausspricht, darin aber keinen Bruch mit der katholischen Moral erkennt:
Hans Küng: Glücklich sterben? München (Piper) 2014, 160 Seiten, 16,99 Euro.
Küng ist Mitglied des Schweizer Sterbehilfe-Vereins „Exit“. Schon 1994 hatte er gemeinsam mit dem Germanisten Walter Jens ein Buch geschrieben mit dem Titel „Menschenwürdig sterben“. Vor zwei Jahren, mit 85, hatte Küng erklärt, er werde sich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Nach Küngs Darlegung sind es zwei Erlebnisse gewesen, die ihn zu seiner Haltung gebracht haben. Einmal der Tod seines Bruders Georg, der 1955 mit 26 Jahren an einem Hirntumor starb, zum anderen die rapide Demenz seines Freundes Walter Jens.
„Es gehört für mich zur Lebenskunst und zu meinem Glauben an das ewige Leben, mein zeitliches Leben nicht endlos hinauszuzögern. Wenn es an der Zeit ist, darf ich, falls ich es noch kann, in eigener Verantwortung über Zeitpunkt und Art des Sterbens entscheiden.“ Für Küng ist der Tod nicht das Ende. Die Christen würden erst seit Augustinus (354-430) den Suizid als Mord am eigenen Leben ansehen und das Leben als Geschenk, das man nicht einfach zerstören dürfe. Aber warum, so Küng, sollte man ein Geschenk nicht zurückgeben dürfen, das einem zur Qual geworden ist?
„Aus der Würde des Menschen folgt das Selbstbestimmungsrecht des Menschen auch für die letzte Etappe, das Sterben. Auf das Recht zum Leben folgt ja keineswegs die Pflicht zum Leben, zum Weiterleben in jedem Fall. … Sterbehilfe ist zu verstehen als ultimative Lebenshilfe. Auch hier sollte keine Heteronomie herrschen, sondern die Autonomie, die für gläubige Menschen in Theonomie gründet.“ Hans Küng plädiert für die Hospizbewegung und die Palliativmedizin.