Für die Verfasser der Langzeit-Untersuchung „Deutsche Zustände“ (zehnjähriges Forschungsprojekt) ist die soziale Lage in Deutschland „explosiv“. Und tatsächlich fühlen sich manche Bundesbürger unsicher. Es ist das Verdienst der Studie, den Blick stets auf die Schwächsten in unserer Gesellschaft gerichtet zu haben. So gerät deren Lage nicht aus dem Blick. Werden sie ausgegrenzt?
Die Studie zeigt, dass in der Gesellschaft die Mentalität der „Besserverdienenden“ vorherrscht. Bei sozialen Themen zeigt sich eine „Statusunsicherheit“, die viele dazu verleitet, Hartz IV-Empfänger abzuwerten. Auch bei religiösen Themen herrscht Unsicherheit. Juden und Muslimen wird mit Ressentiments begegnet. 30,2 Prozent der Deutschen stimmen dem folgenden Satz zu: „Durch die vielen Muslime hier fühle ich mich manchmal wie ein Fremder im eigenen Land.“ Und 29,3 Prozent meinen: „Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die in Deutschland lebenden Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken.“ Daraus ziehen die Autoren den Schluss, es habe sich „eine explosive Situation als Dauerzustand“ etabliert. Das zielt auf Parallelen zum Ende der Weimarer Republik.
Tatsache ist aber auch, dass zwischen 2002 und 2011 der Antisemitismus zurückgegangen ist. Die Gleichberechtigung der Frauen wird nicht mehr so stark abgelehnt. Behinderte werden eher akzeptiert. Und Homosexuelle werden in der Gesellschaft eher als gleichberechtigt anerkannt und wie der Außenminister und der Regierende Bürgermeister von Berlin auch gewählt.
Aversionen und Vorurteile sind also noch da. Aber nicht mehr so krass und zahlreich wie früher. Die Berliner Republik ist nicht die Weimarer Republik.