Georg Friedrich Händel (1685-1759) als Opernunternehmer und Mensch

Anfang des 21. Jahrhunderts ist Georg Friedrich Händel musikalisch völlig durchgesetzt. Er wird häufig aufgeführt. Das zeigen allein schon die drei anspruchsvollen Festivals pro Jahr in Deutschland: Göttingen, Halle und Karlsruhe. Händels riesiges Werk verträgt einige Erklärungen. Seine über vierzig Barockopern, die teilweise zu Lebzeiten des Komponisten kaum aufgeführt wurden, haben seit den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts ihren Siegeszug angetreten. Unter anderem dazu gibt es viel Material und zahlreiche kreative Erklärungen in

Das Händel-Handbuch in 6 Bänden. Die Reihe. Herausgegeben von Joachim Marx. Laaber Verlag. Laaber 2011. 6 Bände. Zusammen 4800 Seiten (mit Abbildungen), gebunden. 689 Euro.

Ihm widmet sich Dirk Schümer kenntnisreich (FAZ 12.12.2011). Das Handbuch enthält zu jeder Oper, jedem Oratorium, jedem Pasticcio teilweise hochinteressante Informationen zum Nachschlagen. Im Zentrum steht der erfolgreiche Opernunternehmer Georg Friedrich Händel. Aber auch der Mensch Händel wird bedacht. Händel operierte in London mit über fünfzig Beschäftigten. Er bildete sein eigenes Orchester heran. Der Mythos, Händel habe sich durch die schwer verkäufliche Primadonnen- und Kastratenoper in Großbritannien verausgabt und ruiniert, wird entzaubert. Der Komponist finanzierte sich als schwerreicher Mann sein Prunkgrab in Westminster Abbey vor. Allerdings verausgabte er sich als Komponist und Opernmogul, wie Schümer schreibt. Am Ende war er erblindet. Aus wirtschaftlichen Gründen ging er îmmer mehr zu Oratorien über. Überhaupt bewies er auch in politischen Angelegenheiten seine starke Anpassungsfähigkei an das Haus Hannover.

Der Genussmensch Händel erreichte eine beachtliche Korpulenz und war häufig Gegenstand von Gerüchten im klatschsüchtigen London. Weil er niemals heiratete und ihm wohl in seiner italienischen Frühzeit einige Kardinäle den Hof machten, gilt er einigen Exegeten als exemplarischer Schwulenkomponist. Dafür liefert das Handbuch aber keinen Beweis. Händel war ein frommer, spießiger, ehrpusseliger, feiner Pinkel, aber wie Schümer darlegt, keineswegs unsympathisch. Händels Wohnhaus in London war voller erlesener Kunst, darunter auffallend oft nackte Göttinnen und Kurtisanen. Für Schümer war er deswegen ein Mann von Geld und Geschmack. Wer mehr wissen will, findet im Händel-Handbuch eine reiche Quelle.

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