604: Francis Fukuyama und Samuel Huntington – irren sich nur partiell.

Wenn politische Theoretiker zu einfache Formeln für ihre Thesen finden, kann das zu Missverständnissen führen. Das war wohl der Fall bei Francis Fukuyamas Annahme vom „Ende der Geschichte“ (1989) und bei Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“ 1992. 1989 schien Fukuyama zumnächst Recht zu bekommen durch die ersten freien Wahlen in Polen, die Studentenproteste in China („Platz des himmlischen Friedens“) und den Fall der Berliner Mauer und die darauf folgende deutsche Vereinigung. Aber Fukuyama hatte im Gefolge von Georg Wilhelm Friedrich Hegel gar nicht eine Ende der Geschichte gemeint, sondern die Konkurrenzlosigkeit der westlichen Ideen, insbesondere die Menschenrechte. Sie betrachtete Fukuyama als einmalig und als Leitstern für die ganze Welt (David Hesse, SZ 17.6.14).

M.E. ist es dabei bis heute geblieben.

Das zeigt uns Samuel Huntington mit seiner Hypothese. Denn Russland und China haben nichts Gleichwertiges anzubieten. Sie haben zwar den Irrweg des Kommunismus verlassen, sich aber nicht auf einen demokratischen Weg begeben, wie uns gerade Wladimir Putin immer wieder zeigen will, sondern sind die Prototypen von autoritär-kapitalistischen Regimes, also keine Demokratien. Der 11. September 2001 schien zunächst zu beweisen, dass die Überlegenheit des Westens beendet war; denn die Führungsmacht des Westens, die USA, war gerade auf eigenem Boden vom radikalen Islam herausgefordert worden. Was weiterging, war der Kampf der Kulturen. Der Westen benötigt dabei eine „Pax Americana“; denn ohne den militärischen Schirm der USA gibt es auch für Europa keine Freiheit.

Da irritiert es schon, dass Barack Obama zwar den Führungsanspruch der USA reformuliert, dem verfehlten Isolationismus eine klare Absage erteilt und sogar mögliche regionale Aggressionen (durch China im Südchinesischen Meer, durch Russland in der Ukraine) in den Blick nimmt, zugleich aber eine „Nach-innen-Wendung“ der USA verkündet (Josef Joffe, „Die Zeit“ 5.6.14). Denn die USA und der gesamte Westen rüsten ab. Russland und China rüsten auf. Das passt zu ihrem Autoritarismus. Ein irgendwo entstehendes Machtvakuum würden sie als Einladung betrachten.

Dazu dürfen wir es nicht kommen lassen. Dies ist viel wichtiger, als immerwährend den Rüstungsexport Deutschlands zu beklagen.

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