„Inklusion ist ein Modewort geworden. Es geht dabei aber nicht um Modisches, sondern um Wichtiges, um Demokratisches: um die Eingliederung der Menschen mit Behinderung in die normale Alltagswelt – so gut es nur geht. Inklusion heißt Abbau von Barrieren und Zugänglichkeit – und zwar nicht nur zu Gebäuden und Verkehrsmitteln. Es ist kein bautechnisches, sondern ein gesellschaftspolitisches Prinzip. Gemeint ist die Zugänglichkeit der Gesellschaft insgesamt, die Integration im Arbeits- und Freizeitleben. Inklusion heißt Anerkennung und Wertschätzung für Menschen mit Behinderungen.“ (Heribert Prantl, SZ 16.6.14)
Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Knapp zehn Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer Behinderung, das sind fast zwölf Prozent der Bürger. Sie haben ein Grundrecht auf Inklusion.
„Demokratie und Sozialstaat gehören zusammen. Warum? Die besseren Gene hat sich niemand erarbeitet, das unfallfreie Leben auch nicht. Das Schicksal teilt sie zu. Hier hat der Sozialstaat seine Aufgabe. Er ist, mit Maß und Ziel, Schicksalskorrektor.“ (Heribert Prantl, SZ 16.6.14) Dafür gibt es Behindertenhilfswerke und Förderschulen. Aber eine UN-Resolution von 2006 begreift Förderung zunehmend als Ausgrenzung und will sie zurückdrängen.
Dazu schreibt Udo Reiter (SZ 14./15.6.14), der 20 Jahre lang Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) war. Reiter ist seit 48 Jahren querschnittsgelähmt und Rollstuhlfahrer. „Die moralische Schönheit solcher Überlegungen (zur Inklusion, W.S.) sollte nicht dazu führen, die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen. Und in dieser Wirklichkeit gibt es leider Behinderungen, die den gleichberechtigten Wettbewerb mit Nicht-Behinderten einfach nicht zulassen.“
„Noch einmal: Nichts, aber auch gar nichts gegen eine Öffnung unserer Gesellschaft für Behinderte. Aber dass die zwangsweise und flächendeckende Einführung der schulischgen Inklusion auf Kosten der klassischen Fördereinrichtungen dafür der Königsweg sein soll, das stellen inzwischen nicht nur Lehrer, sondern auch betroffene Eltern in Frage. Sie tun es nur vorsichtig, weil sie Angst haben, wie ein Vater im ‚Focus‘ schreibt, ‚in die Ecke der Inklusionsverweigerer gestellt zu werden‘. Dort weht einem der Zeitgeist scharf ins Gesicht.“