Noch bei keinem Journalisten, der gestorben war, habe ich eine solche Flut von Nachrufen, Würdigungen, Elogen, Lobreden, Freundschaftsbekundungen gelesen wie bei Frank Schirrmacher. Und wie der Mann sind einige Stellungnahmen außergewöhnlich. Nicht nur in der FAZ und der FAS, sondern auch in anderen Blättern. Schirrmacher war ein großer Feuilletonist.
„Dass er viele abhängte, viele verletzte und von vielen auch verlassen wurde, gehörte für ihn dazu.“
Franziska Augstein, Andrian Kreye und Gustav Seibt, SZ 13.6.14
„Der Wiener Schriftsteller Heimito von Doderer hat für einen solchen Menschen den Begriff ‚Apperzeptionsgenie‘ geprägt. Das ist jemand, der in Sekundenbruchteilen Zusammenhänge und Schwingungen erspürt, die andere Menschen in Jahren nicht mitkriegen. Ohne Frank Schirmmacher gekannt und erlebt zu haben, ist es schwer, sich dises Phänomen in all seiner Pracht, aber auch seiner Gefährdung überhaupt vorzustellen.“
Dirk Schümer, FAZ 14.6.14
„Die leichte Floskel vom Genie, das womöglich mit einem Gespür für Themen und Texte zur Welt kam, verkennt, dass er irre fleißig, ein zu sich selbst gnadenloser Arbeiter war. Nächtelang las und schrieb er und animierte dann wieder den ganzen Tag dieses Feuilleton und die ganze Republik.“
Nils Minkmar, FAZ 14.6.14
„Menschlich war es mit ihm vor allem deshalb nicht einfach, weil er im Grunde schüchtern war. Er fürchtete sich gleichermaßen vor Schmeichelei wie vor Hochverrat.“
Eva Menasse, FAZ 14.6.14
„.. seit er – und zwar lange vor Snowdens Enthüllungen! – die Gefahren von Big Data erkannte, hat er einen heroischen Kampf geführt, einen absolut ernsthaften Kampf gegen jenen Teil des digitalen Kapitalismus, der drauf und dran ist, unsere Freiheit zu vernichten. Und das macht Frank Schirrmachers Tod, abgesehen von der menschlichen Tragik, politisch zu einer echten Katastrophe.“
Eva Menasse, FAZ 14.6.14
„Die geduckte Haltung, die wir von unseren Voreltern ererbt haben, war ihm fremd und unverständlich. Weit und breit ist niemand zu sehen, der seinen Platz einnehmen könnte.“
Hans Magnus Enzensberger, FAZ 14.6.14
„Der große Benn schrieb einmal: ‚Wenn ich denke, spüre ich Asche im Mund.‘ Wahrscheinlich konnte niemand so genau wie Frank Schirrmacher nachempfinden, was der von ihm so über alle Maßen verehrte Benn damit beschrieb. Denn das war auch der Grund, weshalb er immer so schnell war, wenn er ein Thema groß machte: weil er als einziger schon den unangenehmen Geschmack der Asche im Mund spürte.“
Florian Illies, FAS 15.6.14