Thomas Pikettys Weltbestseller „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ hat nicht viel mit Karl Marx‘ „Das Kapital“ zu tun. Was er aber sagt, behaupten Gewerkschafter und Sozialisten „schon immer“. Nämlich, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden. Dafür gibt es – weiß Gott – noch andere Indizien, als sie in Pikettys Buch versammelt sind. Piketty kommt zu seinem Ergebnis auf der Basis von Daten, die weltweit einmalig sind: The World Top Income Database. Darunter sind Steuerdaten, die bis ins 18. Jahrhundert zurückgehen. Piketty argumentiert quasi auf der Ebene von Big Data. Das gilt einigen mittlerweile schon als sicherer Beweis.
In allen Industrieländern stieg der Anteil der Reichen am Volksvermögen bis zum Ende des Ersten Weltkriegs stetig. Von 1918 bis 1970 sank er ab. Seither steigt er wieder rasant an. Die Verteilung ist nicht gerechter geworden. Das Kapital ist hochkonzentriert und befindet sich in den Händen von Familiendynastien.
So weit, so bekannt.
Bleiben zwei Perspektiven gegenüber dieser Entwicklung:
1. Diese Entwicklung ist gesetzmäßig und zwangsläufig.
2. Sie ist es nicht.
Da sehen wir im Wesentlichen die beiden großen politischen Lager in den westlichen Demokratien vor uns: das sozialdemokratische und das konservative.
Insofern ist der Hype um Pikettys Buch überflüssig.
Könnte es nicht sein, dass zwar die Verteilung immer ungerechter wird, dass aber die unteren sozialen Schichten trotzdem – absolut gesehen – ständig mehr Teilhabe-Chancen bekommen?