595: Es gibt keinen definitiven Stand der theologischen Forschung.

Unter Nr. 584 habe ich hier über die Kritik geschrieben, die Thomas Kaufmann und Heinz Schilling am Grundlagenpapier der EKD „Rechtfertigung und Freiheit“ geübt haben („Luther-Ideologie“). Nun antwortet Christoph Markschies, der federführend den Grundlagentext verantwortet („Die Welt 7.6.14). Er begründet das Vorgehen der Autoren.

„Freilich stammt von Bernd Moeller, dem von beiden Kollegen hochgeschätzten Lehrer Kaufmanns, der Satz, dass es eben die Rechtfertigungslehre war, ‚ die die Massen in Bewegung brachte‘. Die ‚theologische‘ Sachentscheidung, die Rechtfertigungslehre als zentrale Pointe reformatorischer Theologie auszuweisen, ist also keine Ideologie, sondern hat durchaus Anhalt an der historischen Entwicklung.“

„Die – von den beiden Historikern eingeforderte und in der Tat höchst erwünschte – Broschüre, in der ‚die Erkenntnisse der nach 1945 erneuerten, internationalen Reformationsforschung als Teil der allgemeinen Geschichtsforschung‘ zusammengefasst werden, kann nach dieser institutionellen Logik nicht die EKD vorlegen, sie sollte am besten von Kaufmann und Schilling geschrieben werden.

Allerdings sollte dann darauf geachtet werden, dass an postmodernes Pathos gemahnende Votieren für die Unterschiedlichkeiten einzelner Theologen der Reformationszeit sich nicht seltsam stößt mit der eher an den klassischen Positivismus erinnernden Vorstellung, es gäbe einen einzigen definitiven Stand der Forschung.“

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