Frank Schätzing ist „Bestseller“-Autor („Der Schwarm“, „Limit“). In seinem neuen Roman „Breaking News“ hat er sich den Nahen Osten vorgenommen, gewiss ein heikles Thema. Titus Arnu hat ihn dazu für die SZ interviewt (1./2.3.14).
SZ: Was ist der Unterschied zwischen dem Israel, das Sie aus den Nachrichten gekannt haben, und dem Israel, das Sie durch die Recherche fürs Buch und Ihren Besuch dort erlebt haben?
Schätzing: Was uns die Nachrichten vermitteln – egal, ob es um den Nahen Osten, die Ukraine oder sonstige Krisenregionen geht -, sind Konflikte der Systeme. Schnell vergisst man, dass Systeme bloß Konstrukte sind. In der Realität gibt es nur Menschen. Jeder ist ein bisschen anders. Fährt man in solche Regionen und lernt diese Menschen kennen, zerfällt jedes Schema von Gut und Böse, richtig und falsch in kürzester Zeit. Das macht es schwierig, sich mit der Materie auseinanderzusetzen oder gar zu einer Lösung zu gelangen. Andererseits stimmt es optimistisch, weil man sieht, dass eben nicht alle im Gleichschritt unter einer Ideologie marschieren. Und die israelische Gesellschaft ist besonders vielschichtig, voller kreativer, weltoffener Leute – das Land könnte eine so gute Zukunft haben …
SZ: Wenn …?
Schätzing: Wenn die Vergangenheit nicht so furchtbar kompliziert wäre. Ein gordischer Knoten. Die Ansprüche reichen Jahrtausende zurück. Auf allem lastet die Religion, jeder reklamiert Gottes Willen für sich. Bloß, man kann aus einem Tempelberg, aus einem Gott nicht zwei oder drei machen. Jemand muss den gordischen Knoten durchschlagen – wer auch immer das Schwert dazu schmieden wird.