478: Max Frischs „Berliner Journal“ erscheint.

Nach seiner Scheidung von Marianne hatte Max Frisch (1911-1991) sein „Berliner Tagebuch“ auf zwanzig Jahre nach seinem Tod gesperrt (1973 war er nach Berlin gezogen). Nun erscheint es.

Max Frisch: Aus dem Berliner Journal. Berlin (Suhrkamp) 2014, 235 S., 20 Euro.

Und verspricht aus der Literatur-Szene den süffigsten Klatsch. Christa Wolf, Wolf Biermann, Hans Magnus Enzensberger, Uwe Johnson und Günter Grass lebten seinerzeit in nächster Nähe von Frisch in Berlin. Der ist nicht dafür bekannt, in seinem Tagebuch ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Über seinen Alkoholismus schreibt er: „Kampf gegen den Alkohol, keine Woche ohne Niederlagen diesbezüglich. Der ärztliche Leberbefund (Januar) ist tadellos; kein Arzt findet heraus, warum mir die Aasgeier auf der Schulter sitzen. Jeder Arzt, ob in Zürich oder New York, zeigt mein Elektrokardiogramm mit wahrem Entzücken. Betreffend Alkohol: ich besitze nicht einmal mehr den Willen, ehrlich zu sein, nicht einmal mir selbst gegenüber.“ („Die Zeit“ 27.12.13)

Volker Weidermann (FAS 12.1.14) ärgern die Auslassungen in Frischs Tagebuch. „Und jetzt haben sie alles gestrichen, was sie für eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte halten. Mal ‚Montauk‘ gelesen? Das ganze Buch ist eine Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Und eines der tollsten Bücher der Welt. Und jetzt verbieten die einfach die Hälfte dieses Tagebuchs schon mal vorab. Und haben es der, die vor allem davon betroffen wäre, Marianne Frisch, nicht einmal vorgelegt. Auch sie kennt nur die veröffentlichten Teile. Ein Witz! Sie, die ihrem Mann keine ‚Montauk‘-Szene abgehandelt hat, obwohl er darin nicht nur den eigenen Ehebruch, sondern auch ihren der Öffentlichkeit beschreibt. Sie ist die coolste und tollste Schriftstellerwitwe der Welt.“

Ein Tipp von mir: Das „Berliner Tagebuch“ lesen. Und „Montauk“ lesen. Und genießen.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.