476: Unsicherheit in Bezug auf Homosexualität ?

87 Prozent der Deutschen antworten auf die Frage „Soll die Gesellschaft Homosexualität akzeptieren?“ mit ja (Andrian Kreye, SZ 10.1.14). Aber sind darunter nicht auch noch ein paar Pflichteifrige, die selbst in anonymen Umfragen die politisch unkorrekten eigenen Meinungen lieber verbergen? In den Fankurven der Fußballstadien wird man manche finden, die dem Konsens widersprechen. Über Homosexualität wird ja tatsächlich wenig gesprochen. Jedenfalls über die Sexualität dabei. Denn in Wahrheit geht es ja um den Willen zur liberalen Moderne, oder um die Furcht davor.

In 83 Staaten gibt es noch Gesetze gegen Homosexualität. Davon einige, in denen die Todesstrafe droht. Meistens wird die Strafbarkeit von Homosexualität mit dem Glauben begründet. Charismatische Kirchen, islamische Geistliche oder konservative Hindus oder Buddhisten schlagen Kapital aus ihrer Homophobie. Dagegen steht Toleranz als Speerspitze des Pluralismus. So gegen Wladimir Putin, der sich mit seinem Gesetz gegen Homosexuelle die russisch-orthodoxe Kirche geneigt machen und damit seine Macht erhalten will.

In Deutschland ist es zur Zeit Gabriel Stängle, der für Homophobie wirbt. Ein Realschullehrer aus Baden-Württemberg (Johanna Bruckner, SZ 10.1.14). Seit November 2013 haben sich im Netz 69.000 User für Stängles Petition gegen das Vorhaben der grün-roten Landesregierung eingetragen, „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ zu fördern. Stängles Petition trägt den Titel „Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“. Stängle möchte nicht, dass „verschiedene Formen des Zusammenlebens von/mit Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Transsexuellen und Intersexuellen (LSBTTI)“ thematisiert werden. Er begründet das mit höherer Suizidgefährdung homosexueller Jugendlicher und erhöhter Anfälligkeit für Alkohol.

Stängle hat seine Petition bereits entschärft, weil Strafanzeigen wegen Verunglimpfung und Volksverhetzung eingegangen waren. Nach der zuständigen Staatsanwaltschaft Tübingen sind Stängles Äußerungen in der gegenwärtigen Form von der Meinungsfreiheit (Art. 5 GG) gedeckt.

Baden Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD): „Unser Ziel ist eine Schule, in der Offenheit und Toleranz noch stärker gelebt werden.“

Dazu ist es erforderlich, das Thema fächerübergreifend zu unterrichten. Es nützt bekanntlich wenig, wenn die körperlichen Aspekte im Biologieunterricht behandelt, die sozialen Konzepte wie Liebe und Beziehung aber in den Religions- oder Ethikunterricht ausgelagert werden. Deutschland ist bei diesem Thema auf einem guten Weg. Er ist aber noch nicht zu Ende.

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