Die Wahlbeteiligung lag bei der letzten Bundestagswahl durchschnittlich bei 71,5 Prozent. Im Durchschnitt wohlgemerkt. Denn im reichen Kölner Stadtteil Hahnwald betrug sie 89 Prozent, im armen Stadtteil Chorweiler 42 Prozent (Detlef Esslinger, SZ 12.12.13). Dieser Trend ist signifikant. Das ergab eine Studie der Bertelsmann-Stiftung (Jérémie Felix Gagné und Robert Vehrkamp) und der Max-Planck-Gesellschaft für Gesellschaftsforschung (Armin Schäfer).
Untersucht wurde das Wahlverhalten in 28 Großstädten (20 im Westen, acht im Osten) sowie in 640 Stimmbezirken, die repräsentativ für Deutschland sind und auch für Prognosen am Wahltag genutzt werden. Die Prozent-Abstände zwischen den Bezirken mit der niedrigsten und der höchsten Wahlbeteiligung werden immer größer. In Hamburg etwa finden sich in den Stadtteilen mit der niedrigsten Wahlbeteiligung 36 mal so viele Haushalte aus ökonomisch schwächeren Milieus, doppelt so viel Menschen ohne Schulabschluss, fünf mal so viele Arbeitslose.
Die Forscher unterteilten für die Untersuchung die Gesellschaft in zehn Milieus (Einkommen, Bildung, Beruf, Lebenseinstellung). „Deutschland ist längst zu einer sozial gespaltenen Demokratie der oberen zwei Drittel unserer Gesellschaft geworden.“ „Die Demokratie wird zu einer immer exklusiveren Veranstaltung für Menschen aus den mittleren und oberen Sozialmilieus der Gesellschaft.“ „Getrennte Lebenswelten können dazu führen, dass bereits vorhandene Unterschiede in der Bereitschaft, sich politisch zu betätigen, weiter zunehmen.“
Unterstützt wird dieser Trend von den Verächtern der parlamentarischen Demokratie, die bekunden, es lohne sich nicht mehr wählen zu gehen. Die Unterschiede zwischen den Parteien seien verschwindend gering. Diese schlecht informierten und bornierten Personen stabilisieren in Deutschland die Mehrheitsverhältnisse. Und die unteren Gesellschaftsschichten und sozialen Milieus sind die Dummen.