Er ist ein Mittler zwischen Ost und West. Ich habe ihn mehrmals in Werner Höfers „Internationalem Frühschoppen“, also vor 1987, erlebt. Journalisten seiner Klasse sind selten in einer Branche, der es an Selbstbewusstsein eigentlich nicht fehlt. Paul Lendvai wurde 1929 als Sohn jüdischer Eltern in Budapest geboren. Nach dem ungarischen Volksaufstand 1956 floh er nach Wien. Er wurde Korrespondent der „Financial Times“, später Chefredakteur der ORF-Osteuroparedaktion. Heute noch ist er Herausgeber der von ihm mitbegründeten „Europäischen Rundschau“. Seine Kolumnen sind im „Standard“ zu lesen. Paul Lendvai hat sehr viele Bücher geschrieben. Das letzte davon ist gerade erschienen: „Die verspielte Welt“ (Peter Münch, SZ 24./25.8.19). Lendvai warnt vor dem Populismus des Victor Orban. „Man weiß nicht, was einen mehr beeindruckt, die intellektuelle Prägnanz, der Kenntnisreichtum, die Vitalität oder die schiere Zahl der Bücher, die er verfasst hat.“ (K.F., FAZ 24.8.19). Paul Lendvai wird 90 Jahre alt.