2265: Dürrs Dopingbekenntnis macht Deutschen Probleme.

Der österreichische Skilangläufer Johannes Dürr hat am 17. Januar bei Hajo Seppelt in der ARD offen sein Doping gestanden. Vor den Olympischen Spielen in Sotschi 2014, den Doping-Spielen, wurde er erwischt und gesperrt. Mittlerweile plant er ein Comeback.

Dürr berichtet von der Systemfalle des Spitzensports, wo schon in den Sportschulen die Nachttische mit Pillen übersät sind (Kultur des Schluckens). Bald werden immer mehr Spritzen diskret appliziert. Man bekommt eine „Ausnahmegenehmigung“ für Asthma-Mittel. Dürr sagt: „Mit der Summe an Wissen stieg die Frustration: Man wirft alles in die Wagschale, aber das nutzt nichts, wenn man nicht den letzten Schritt tut.“ Dürr tat ihn und dopte mit Epo, Eigenblut, Wachstumshormonen. In Sotschi konnte er nicht starten. Viele der dortigen Olympiasieger mussten ihre Medaillen wegen Dopings zurückgeben.

Dürrs Bekenntnis hat einen Sturm der Entrüstung vor allem in Deutschland entfacht, nicht zuletzt weil er einige deutsche Doping-Schauplätze (Ruhpolding, Oberhof, München) genannt hat. Bei der Biathlon-Ikone Magdalena Neuner, bei Skilangläufern, beim DSV. Dürr habe ja nur „seine Sicht der Dinge“ dargetan. Das zeigt, dass die Betreffenden immer noch nicht begriffen haben, worum es geht. Indirekt (und ungewollt) stützen sie das Doping-System. Von weitergehenden Verdachtsmomenten zu schweigen. Glauben die Betreffenden eigentlich, dass die Zuhörer und Zuschauer dämlich sind? Der Staatsanwaltschaft in München sowie der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) erscheinen Dürrs Aussagen klar genug, um zu ermitteln. Es besteht begründeter Anfangsverdacht. Johannes Dürr hat dem deutschen Wintersport ein Problem beschert. Mit all den schwarzen Schafen des Dopings könnte man ein Olympiastadion füllen (Thomas Kistner, SZ 19./20.1.19; Anno Hecker, FAS 20.1.19).

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