Nach dem Desaster der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland, fragen sich viele, warum Oliver Bierhoff und Joachim Löw noch im Amt sind. Die Lage analysiert Michael Ashelm (FAZ 25.8.18).
„Der WM-Absturz der Nationalmannschaft lenkt den Blick auf Risiken und Defizite im Bundesliga-Business. Auch wenn die Liga in den vergangenen zehn Jahren vieles richtig gemacht hat, siebenmal stärker wuchs als die deutsche Volkswirtschaft, zur zweitgrößten Liga (gemessen am Umsatz) der Welt wurde und sich nie zuvor mehr Menschen im Land für Fußball interessierten – diese Dynamik ist in Gefahr.“
„En vogue sind auf einmal Positionen, die unter dem Deckmantel deutscher Fußballtraditionen auf schrägen Anti-Kommerz-Populismus und Abschottung zielen. Um die eigene Stellung zu sichern, verbündet sich manch ein Vereinsvertreter mit fragwürdigen Fangruppen, die sogar Gewalt zur Konfliktlösung propagieren. Seit Jahren gärt eine Konfrontation mit halbstarken Anhängern, welche die Klubs nicht in den Griff bekommen. Jedes Spielwochenende knallt es irgendwo in Deutschland, werden von Bundesliga-Randalierern, die sich zur Jugendbewegung stilisieren, Unbeteiligte bedroht und verletzt, Bahnhöfe beschmiert, Züge der Bahn zerstört oder Stadiontribünen mit gefährlichem Feuerwerk okkupiert. Für die Vereine könnte das alles noch teuer werden, wenn sie sich auf Grund des politischen Drucks oder von Gerichtsentscheidungen an den Einsatzkosten der Polizei beteiligen müssen.“
„Es ist zu hoffen, dass aufgrund von Verfahren der Wettbewerbshüter oder staatlicher Gerichte, demnächst die antiquierte, aber wohl auch nach europäischem Kartellrecht nicht mehr haltbare 50+1-Regel kippt, die bisher verhindert, dass Investoren Fußballklubs in Deutschland mehrheitlich übernehmen dürfen. So dominiert die Vereinsmeierei der Deutschland AG des Fußballs. Das Wachstum für die Zukunbft muss aber irgendwo herkommen. Die Einnahmen aus der Vermarktung von TV-Rechten, dem Merchandising, von Sponsoren oder dem Ticketverkauf sind zwar steigerbar. Der Einstieg von potenten Geldgebern mit frischen Ideen und höheren Zielen würde jedoch die gesamte Bundesliga beflügeln, was sie dringend nötig hätte. Expansion ist zwingend geboten, um sich als attraktiver Standort gegen die mit Investorenmilliarden befeuerte Konkurrenz aus England, Spanien, Italien und Frankreich zu behaupten.“