Framing
(Rahmen) ist ein Begriff aus der Wissenschaft, in der ich früher gearbeitet habe, der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.
Damit setzt sich Johannes Hillje in seinem Buch „Propaganda 4.0: Wie rechte Populisten Politik machen“ auseinander. Er erklärt damit, dass die AfD einen weit größeren Einfluss auf die Meinungsbildung hat, als nach ihren Stimmanteilen zu erwarten wäre. Die zentrale These seines Buchs lautet:
Schon lange bevor die AfD in den Bundestag eingezogen ist, hat sie öffentliche Debatten dominiert und die Themenagenda mitbestimmt, weil ihre Problembeschreibungen und Deutungsansätze von Medien und anderen Parteien aufgegriffen werden.
In einem Interview mit Jakob Biazza (SZ 6.6.18) gibt Johannes Hillje weitere Erläuterungen. Ausgangspunkt ist dabei die Ausladung Alexander Gaulands durch Frank Plasberg („Hart aber fair“) wegen seiner Verharmlosung des Nationalsozialismus.
SZ: Herr Hillje, Frank Plasberg hat angekündigt, Alexander Gauland nicht mehr zu „Hart aber fair“ einzuladen. Wenn man sich das Thema der jüngsten Sendung ansieht, könnte man aber wohl sagen: Zumindest inhaltlich ist der AfD-Politiker trotzdem noch dabei, oder?
Hillje: Ein zentraler Erfolg der AfD in den vergangenen Jahren – und damit auch ein zentraler Misserfolg der anderen Parteien – ist es, dass der Einfluss der Rechtspopulisten auf unsere öffentlichen Debatten deutlich größer ist als ihre politische Relevanz, gemessen an Wahlergebnissen. Selbst wenn die AfD nicht in Talkshows sitzt, sind ihre Inhalte oft omnipräsent. Das Entscheidende ist hierbei: Die AfD setzt gar nicht unbedingt die Themen, aber sie beeinflusst sehr stark, wie wir über ein Thema reden. Es geht also nicht darum, ob wir über den Themenkomplex Migration in einer Talkshow reden, sondern über das „Wie“. …
Das Tückische an (manchen, W.S.) Formulierungen ist, dass sie als Fragen daherkommen, aber dem Publikum schon eine Denkrichtung vorgeben. Man spricht hierbei von
„Framing“.
…
SZ: Frames lenken dann also Meinungen und Gefühle, weniger Fakten?
Hillje: Richtig. Ein Beispiel aus der Forschung zur Berichterstattung über die Kriminalitätsstatistik: Wenn Sie Kriminalität mit der Metapher „Virus“ umschreiben, sind Menschen als Gegenmaßnahmen eher für die Prävention von Verbrechen. Bezeichnen Sie Kriminalität als „Monster“, neigen Menschen dazu, Verbrecher möglichst einfach und lange wegzusperren. Auch wenn die Fakten die gleichen sind.
SZ: Auf ihrem Twitter-Account hat sich die Sendung gegen den Framing-Vorwurf verwehrt. Dort steht: „Framing? Als Journalisten können wir mit diesem Begriff wenig anfangen. Wir versuchen das, was Menschen beschäftigt, so darzustellen, wie es ist.“
Hillje: Das ist ein großes Missverständnis über den eigenen Beruf. Was die Redakteure von ‚Hart aber fair‘ übersehen: Das Publikum „framt“ das Gehörte ganz automatisch, um zu verstehen.
…
Was lernen wir daraus (Kommentar W.S.)?
1. Journalisten verstehen oft nicht gut genug, was sie tun.
2. Vorsicht, wenn jemand mit „Fakten“ kommt.
3. Es kommt in sehr vielen Fällen auf die einzelne Formulierung an
4. Am meisten arbeitet die CSU der AfD zu. In der Annahme, so die bayerischen Landtagswahlen im Herbst 2018 zu gewinnen. Vorsicht!!!