In der letzten Zeit bin ich häufig als Zuschauer zu Gast bei den Bundesliga-Heimspielen von Hertha BSC im Berliner Olympiastadion. Das Stadion war für die Olympischen Spiele der Nazis 1936 als monumentale Sportstätte gebaut worden. Es ist heute schon Kulturgut und Denkmal. Wir wollen uns ja nicht nur an die guten Dinge erinnern, sondern an alles Wichtige. Das Berliner Olympiastadion ist historisch aufgeladen. Sportlich und politisch.
Nun fragt der Berliner Senat: Soll die blaue Rundbahn aus dem Olympiastadion entfernt werden, damit die Hertha BSC-Fans näher ans Spielfeld rücken und für mehr Stimmung im Stadion sorgen können?
Diese Idee hat der Senat entwickelt, seit Hertha BSC mit dem Bau eines reinen Fußballstadions geliebäugelt hatte. Entweder auf der Wiese neben dem Stadion oder vor den Toren Berlins in Brandenburg. Der Senat befürchtet mit dem Auszug des Hauptmieters Hertha BSC ein „Millionengrab“. Im Olympiastadion finden die 17 Heimspiele statt und das stets ausverkaufte DFB-Pokalfinale („Wir fahren nach Berlin.“). In jedem Jahr gibt es dort ebenfalls das „Internationale Stadion-Sportfest“ (Istaf) der Leichtathleten. Das Berliner Olympiastadion ist in Deutschland das letzte vom Internationalen Leichtathletik-Verband zertifizierte Klasse 1-Stadion. In Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart und Hannover gibt es im Stadion keine Leichtathletik mehr. 2009 fanden in Berlin die Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt. 2018 werden es die Leichtathletik-Europameisterschaften sein. Beim Abbau der Laufbahn wäre das dann das letzte Leichtathletik-Ereignis.
Wir können uns, wenn wir wollen, daran erinnern, dass es 1936 der schwarze US-amerikanische Sprinter und Weitspringer
Jesse Owens
gewesen ist, der den rassistischen Nazis mit einem Lächeln seine vier Goldmedaillen entgegenhielt. Über 100, 200, 4 x 100 m und im Weitsprung (Joachim Mölter, SZ 14./15.6.17).