1519: Furioser Start Kirill Petrenkos mit den Berliner Philharmonikern

Ein wenig Skepsis hatte es doch gegeben. Für das erste Konzert Kirill Petrenkos mit den Berliner Philharmonikern zwei Jahre nach Wahl zum Chefdirigenten. Aber nach dem Konzert waren sich die Musikkritiker in ihrem großen Lob einig. Bis hin zum Musikkritiker der „taz“ (24.3.17), Felix Zimmermann. Insbesondere von Tschaikowskys „Pathétique“ sei das Publikum hingerissen gewesen. Es klatschte sogar an der falschen Stelle, nämlich vor dem vierten Satz. Kehrte aber schnell wieder zur gespannten Erwarung zurück für das Adagio lamentoso.

„Etwas beginnt, man ahnt, dass es etwas Großes werden könnte. Und das Konzertpublikum erlebt das in dem nicht unattraktiven Gefühl, später sagen zu können, dabei gewesen zu sein. Wortfetzen fliegen durch das Foyer, das Orchester habe im ersten Wahlgang 2015 mit recht starker Fraktion zu Christian Thielemann tendiert, Chefdirigent der Staatskapelle Dresen, konnte sich aber nicht entscheiden, brach ab. Und wählte im Juni Petrenko mit deutlicher Mehrheit. Gerüchte rieseln umher, das Orchester habe den Dirigenten regelrecht nach Berlin locken müssen.“

Petrenko kommt mit seinen 45 Jahren als Legende. Und das in einem Gewerbe, in dem eigentlich nur die ganz Alten einen solchen Status erreichen. Geboren 1972 in Omsk, in Wien zum Dirigenten ausgebildet, Kapellmeister an der Volksoper dort, Jahre in Meiningen, von 2002 bis 2007 Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin, einige Jahre frei, seit 2013 Chef der Bayerischen Staatsoper. Anwalt der Komponisten wolle er sein, hatte er bei seiner Vertragsunterzeichnung gesagt. Konzerte sind bei ihm auch immer ein Seherlebnis. Wie ein Tänzer gleitet Petrenko zu Mozarts „Haffner“-Sinfonie über die schmale Fläche des Pults. „Mozart leuchtet, mit einem Schlusssatz, der dem Orchester fast den Atem nimmt. Und man erlebt, wie dieser Tänzer eins wird mit dem Ensemble und es mit ihm.“

One Response to “1519: Furioser Start Kirill Petrenkos mit den Berliner Philharmonikern”

  1. Gietinger sagt:

    Das nach dem dritten Satz der Pathetique geklatscht wird hat damit zu tun, dass Tschaikowsky absichtlich den dritten und vierten Satz „vertauscht“ hat.
    Der dritte ist dadurch ein atemberaubend schneller Geschwindmarsch mit Finale und der vierte Satz Tschaikowskys eigenes Requiem. Ein depressiver langsamer Satz, in der das Leben langsam verhallt. Kurz darauf starb er an der Cholera.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.